Phillip Longman hat dem SPIEGEL erzählt, daß er die Rückkehr zur Gesellschaftsform des Patriarchats zwar nicht fordert, aber prognostiziert. Hauptsächlich die religiösen Fundamentalisten und wertekonservative Familien würden viele Kinder aufziehen und dadurch für die künftige Dominanz ihres Familien- und Gesellschaftsbildes sorgen.
Alte Werte werden zur Zeit ja in fast jeder publizistischen Ecke beschworen, aber ich möchte bezweifeln, daß sich die bisherige gesellschaftliche Entwicklung so heftig wird zurückdrehen lassen, wie Longhorn vorhersagt. Einige seiner Prämissen sind in Europa und insbesondere in Deutschland schlicht nicht zutreffend.
Der Einfluß religiös-fundamentalistischer Gruppen ist hier bei weitem nicht so groß wie in den USA.
Selbst wenn viele weitere Einschnitte in den deutschen und europäischen Sozialsystemen erfolgen, ist das Wohlfahrtsnetz bei uns noch wesentlich dichter geknüpft als in den Vereinigten Staaten. Dadurch besteht auch weniger Druck und Anreiz, sich in klassischen Familien als notwendiger Überlebensgemeinschaft zusammenzufinden.
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