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Wenn Günter Grass über Terrorismus redet

26. Mai 2006 · Ein Kommentar

Osama bin Laden

KEIN KAMPF GEGEN ARMUT: OSAMA BIN LADEN UND DER ISLAMISTISCHE TERROR

Dann ist das grundsätzlich zu begrüssen. Deutsche Schriftsteller sind in den letzten Jahren ja schon fast chronisch apolitisch. Es tut der öffentlichen Debatte sicher gut, wenn sie diese starre Zurückhaltung aufgeben und sich engagiert äußern.

Allerdings ist es auch Literaturnobelpreisträgern erlaubt, sich ein paar Gedanken zu machen, bevor sie etwas sagen. Wenn man die Rede von Günter Grass auf dem derzeit in Berlin stattfindenden PEN-Kongress und seine Äußerungen gegenüber der Presse dazu liest, hat man stellenweise den Eindruck, daß der berühmte Literat nicht besonders gründlich vorgegangen ist.

Zum Teil hat er ja recht - die US-amerikanische Außenpolitik der vergangenen Jahrzehnte war nicht immer eine Glanzleistung und hat zum Teil hier und da wohl Ursachen für Terrorismus gesetzt. Auch daß Grass auf die Probleme der Entwicklungsländer hinweist, ist löblich. Nur bei der Verbindung dieser beiden Themenfelder, kann ich ihm nicht mehr so recht folgen.

Gegenüber Deutschlandradio Kultur sagte der Autor:

“Grass kritisierte zudem, dass die frühen Warnungen des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt vor einem Nord-Süd-Konflikt nicht beachtet wurden. Die Verarmung des Südens habe zu Hass, Fundamentalismus und letztlich Terrorismus geführt; dafür seien die Staaten des Nordens und Westens mitverantwortlich: “Wir sind mit die Ursache dieses Terrorismus. Diese Einsicht fehlt allerorten.”

Wer glaubt, der islamistische Terror speise sich aus der Armut der dritten Welt, übersieht gleich mehrere, eigentlich recht auffällige Umstände:

Der moderne Islamismus und auch der Terror, der sich ideologisch auf ihn stützt, ist keine Auflehnung von Armen gegen die reichen Industrieländer des Nordens. Islamismus ist vielmehr eine moralisch motivierte Bewegung. Ihre Anhänger sind der Ansicht, Staaten und Herrschaftsstrukturen bekämpfen zu müssen, die aus der islamistischen Perspektive sittlich korrumpiert sind. Oftmals richten sich ihre Aktionen dabei gegen Regimes selbst auch islamischer Staaten. In Algerien und Ägypten etwa werden islamische Staaten zum Ziel islamistischen Terrrors.

Besonders deutlich werden diese Wurzeln, wenn man sich vergegenwärtigt, woher die Protagonisten des islamistischen Terrors kommen. Der prominenteste Vertreter Osama bin Laden gehörte als Akademiker und wohlhabender Bauunternehmer einer privilegierten Schicht Saudi-Arabiens an. Einige der Attentäter des 11. September, darunter auch ihr Anführer Mohammad Atta, waren vor ihrer Tat Studenten in Hamburg.

Das von Grass gezeichnete Bild des Terroristen aus armen Verhältnissen, der sich gegen die materielle Ungerechtigkeit auf der Welt auflehnt und daher westliche Industrienationen angreift, passt also nicht zu den Kämpfern von Al Kaida.

Mehr lesen:
Telepolis
SPIEGEL ONLINE
“Dialog International” (englisch)
“Octavian”

Rubrik: Zeitgeschehen

Ein Kommentar bisher ↓

  • 1 zeineku.de » Die SS-Vergangenheit des Günter Grass // 12. August 2006 um 12:38 Uhr

    [...] Verstörend finde ich dagegen, daß Grass über diesen Teil seiner Biographie so lange geschwiegen hat, aber selten mit seiner Meinung hinter dem Berg hält, wenn es das Verhalten anderer zu be- und verurteilen gilt. Stets wortgewaltig, wenngleich inhaltlich zuweilen dürftig, äußert sich der Nobelpreisträger, so z. B. in bezug auf die angeblichen Ursachen islamistischen Terrors. [...]

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