
In der aktuellen Ausgabe der ZEIT findet sich auf Seite 85 ein interessantes Interview mit Bruder Paulus Terwitte, einem Kapuzinermönch. Er sieht sich als “Headhunter Gottes” und will unter jungen Männern auf Berufsmessen und im Internet offensiv um Nachwuchs werben für seinen überalterten Orden.
Ausgerechnet die Kapuziner sind nicht nur als Headhunter unterwegs, sondern führen auch ein Weblog: Sie schreiben über ihr Essen, ihr Klosterleben, Aquaplaning auf der Autobahn und die unangenehmen Folgen sowie die Nachwuchswerbung von Headhunter Bruder Paulus.
Erstaunlich, daß das Medium Weblog in weiten Kreisen der normal berufstätigen Bevölkerung noch keine Rolle spielt, aber ausgerechnet Mönche der katholischen Kirche schon dabei sind. Allerdings muß man wissen, daß die Kapuziner unter den verschiedenen katholischen Orden als recht weltzugewandt und volksverbunden gelten. Andere Gemeinschaften sind wesentlich zurückgezogener. Bis das erste Mal etwa ein Karthäuser-Mönch in die Tasten haut um zu bloggen, werden wohl noch ein paar Jahre ins Land ziehen oder es wird nie geschehen.
Basicthinking war vor ein paar Wochen schon erstaunt beim Anblick einer mönchsähnlichen Gestalt mit Notebook. Die Kapuziner sind offenbar bereits einen Schritt weiter.
Update:
Fast noch überraschender als bloggende Mönche: Auch der Chef von AOL-Deutschland hat jetzt ein Weblog.
5 Kommentare bisher ↓
1 Basic Thinking Blog » Headhunter Gottes: Kapuziner-Blogs // 2. Juni 2006 um 14:05 Uhr
[...] Zeineku verweist auf ein weiteres Weblog: OSF Frankfurt am Main (Ordo Franciscanus Saecularis, übersetzt Franziskanischer Weltorden). Auch dort war übrigens Bruder Paulus als Leiter des Kapuzinerklosters Liebfrauen tätig. Da die Kapuziner zur Ordensfamilie der Franziskaner gehören, handelt es sich damit um ein weiteres Kapuziner-Weblog. [...]
2 Hans-Heinrich // 3. Juni 2006 um 6:26 Uhr
Hier wird das kurz kommentiert:
http://kapuzinerkueche.twoday.net/stories/2111863/
3 Manfred Becker // 3. Juni 2006 um 21:25 Uhr
Hallo,
ich fand das Interview mutig, aber elitistisch.
Vielleicht aber aus der Not geboren. Warum suchen die Kapuziner nur junge Leute.
Gruß
Manfred
4 niels // 3. Juni 2006 um 23:45 Uhr
Lieber Hans-Heinrich!
Leider kann man bei twoday nur kommentieren, wenn man sich registriert. Daher antworte ich mal hier.
So negativ, wie Du meinen Beitrag offenbar verstanden hast, habe ich ihn mitnichten gemeint. Der Abschnitt, in dem ich mein Erstaunen über Euer Blog ausgedrückt habe, war eher als Kompliment und Anerkennung gedacht. Ich habe eine Menge Internet-affiner Leute in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Trotzdem wissen die meisten von denen nicht einmal, was ein Weblog ist.
Da bloggende Mönche bisher eher die Ausnahme als die Regel sind, habe ich mir erlaubt, erstaunt zu sein. :-)
Zu dem Satz über die Frankfurter Franziskaner-Gemeinschaft: Ich habe nicht geschrieben, daß das bloggende Kapuziner seien.
Daß die Karthäuser eine umfangreiche Internetpräsenz haben, wußte ich schon, seit ich “Die große Stille” gesehen und danach ein wenig recherchiert hatte. Dennoch sind sie eben -im Vergleich etwa mit den Kapuzinern- sehr viel kontemplativer und weltabgewandter ausgerichtet, weswegen ich für unwahrscheinlich halte, daß ein Karthäuser-Mönch in seiner Karthause zu bloggen beginnt.
Und um zum Schluss zu kommen: Der Apfelkuchen sieht wirklich lecker aus.
5 Hans-Heinrich // 8. Juni 2006 um 19:31 Uhr
Schon gut, schon gut…
Und was das Kontemplative angeht: Es gehört ganz ausdrücklich zum ursprünglichen Charisma des Kapuzinerordens, eremitisch/kontemplativ zu leben; gerade eben in dieser Woche widmet - wie man in “Aus der Kapuzinerküche” sehen kann, die rheinisch-westfälische Provinz diesem Thema ihr Mattenkapitel. Rückzug in die Einsamkeit und Kontemplation im Wechsel mit Wanderpredigt und Dienst an Armen und Kranken als aktive Formen “nach dem Evangelium zu leben” - das ist ur-franziskanisch und insofern für die Kapuziner typischer als alles, was sie sonst noch im Laufe ihrer Geschichte an Tätigkeiten übernommen haben.
Zu der Frage, warum der Orden nach jungen Männern sucht, ist ganz simpel zu antworten:
Weil das praktische Ordensleben in Analogie zum “Generationenvertrag” funktioniert, und weil die Brüder, die jetzt Mitte vierzig sind, gern möchten, daß nachgekommene Brüder sie, wenn sie alt und pucklig sind, so aufmerksam umsorgen, wie sie es heute mit den Siebzig-, Achtzig-, Neunzigjährigen tun.
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