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Plumpes Kirchen-Bashing

22. Juli 2006 · 10 Kommentare

Kritik an den Kirchen ist -wie bei jeder großen Organisation- zwangsläufig in vielen Punkten berechtigt und wichtig. Wer kritisiert, sollte aber wenigstens ansatzweise wissen, wovon er schreibt. Wenn es um die Kirchen geht, genügt vielen schon simples Draufhauen, bei dem Sachkenntnis nur stört. spreeblick.com lese ich fast täglich und schätze die wackeren Profiblogger um Johnny normalerweise sehr. Dieser Artikel allerdings ist nicht besonders preisverdächtig.

Dort bekommt man zu lesen:

Intelligent Design, intelligente Gestaltung also, ist der verzweifelte Versuch, katholischer und sonstiger Kirchen und diese anhimmelnde Folgschaft, einen Fuß in die wissenschaftlichen Türen der Welt zu bekommen, genauso sinnlos wie auslachenswert.

“Katholische und sonstige Kirchen” also, aha. Kein Wort davon, daß der halbweichgespülte Kreationisten-Unsinn, der “Intelligent Design” getauft wurde, nichts mit der katholischen Kirche zu tun hat und auch von -zumindest keiner deutschen- evangelischen Landeskirche propagiert wird.

Das Beharren auf dem exakten Wortlaut der Bibel und der Versuch, ohne jegliche Auslegung aus jedem ihrer Worte, das Wesen und Werden der ganzen Welt beschreiben und erklären zu können, ist in Wahrheit ganz im Gegenteil nahezu ausschließlich ein Problem von protestantisch-biblizistischen (daher auch das Wort) Gruppen und Freikirchen.

Darauf könnte René ruhig etwas deutlicher hinweisen als mit einem zaghaften und wieder total falschen “Huch! Ja! Gottchen. Tschuldigung. Dann also lieber „aller Kirchen”… besser? Ja? gut.” in den Kommentaren.

Rubrik: Netzkultur: Blick in die Blogs

10 Kommentare bisher ↓

  • 1 rene // 22. Juli 2006 um 20:46 Uhr

    Du hast ja Recht, ich habe kaum recherchiert und mal flugs alle Kirchen in einen Topf geworfen. Religion ist mir selbst eher unwichtig, mir ging es mehr um das Video der New York Dolls, daher vielleicht das „plumpe Kirchen-Bashing“.

    Man muss aber auch nicht alles auf die Goldwaage legen. ;-)

  • 2 niels // 23. Juli 2006 um 11:13 Uhr

    “so mancher Kirchen” ist jedenfalls schon deutlich näher an der Wahrheit als die erste Version.

    Und natürlich ist es wichtig, Intelligent Design zu kritisieren. Da hab ich gar nix gegen.

  • 3 thomas // 23. Juli 2006 um 12:56 Uhr

    Auch wenn du im Prinzip Recht hast, dass es etwas unsauber formuliert ist, denke ich mir hier: was solls? Dass die Katholiken einmal nicht die bösen sind, ist kein echter Verdienst. Und wenn man einmal draußen ist, spielt es doch im Prinzip keine Rolle, welche man meint - die Unterschiede sind im Detail.

  • 4 niels // 23. Juli 2006 um 15:02 Uhr

    Es war nicht etwas unsauber formuliert, sondern schlicht falsch. Und das stört mich, obwohl ich kein Katholik bin, im Gegenteil mir viele Bestandteile des katholischen Bekenntnisses sehr fremd sind.

    Mag ja sein, daß es um Details geht, aber sie sind sehr wichtig.

    Ob man die Bibel für auslegungsbedürftig hält und ihre Aussagen kritisch im Lichte des Wesens der christlichen Botschaft insgesamt interpretiert oder propagiert, daß jeder Satz der Schrift Wort für Wort so zu verstehen sei, wie er formuliert ist und Auslegung sogar bekämpft, ergibt ganz erhebliche Unterschiede.

  • 5 thomas02 // 23. Juli 2006 um 23:26 Uhr

    @thomas: Nur weil man nicht mehr dabei ist, muss man ja nicht gleich alles über einen Kamm scherren und Unwahrheiten verbreiten. Aus solchen Äußerungen höre ich immer so einen atheistischen Missionsdrang heraus, der den Kirchen durchaus würdig wäre. ;-)

  • 6 thomas // 24. Juli 2006 um 2:05 Uhr

    @thomas02: Eine Unterscheidung von Untergruppen ist sinnvoll, wenn es einen entscheidenden Unterschied innerhalb derselben gibt. In der Tat propagiert die kath. Kirche nicht ID, sondern akzeptiert Evolution als die wissenschaftliche Tatsache, die sie ist.

    Tritt man aber einen Schritt zurück von diesem Beispiel, so sieht man doch den gemeinsamen Nenner, in dem mythische Weltbilder dagegen ankämpfen, von wissenschaftlichen abgelöst zu werden. Und das ist der katholischen Kirche keineswegs fremd. Dass es diesmal eine andere bibelgläubige Gruppe ist, die sich lächerlich macht, ist somit immernoch eine Detailfrage.

    Zum “Missionsdrang”: Dass man zu einer Überzeugung steht und für diese eintritt, kannst du so aufassen, wenn du möchtest. Ich finde aber, dass es angesichts der “Renaissance der Religionen” an der Zeit ist, dass Atheisten und Humanisten sich für ihre Interessen öffentlich einsetzen. Der Unterschied zur religiösen Missionierung ist immernoch, dass man ohne Postulat einer unbeweisbaren höheren Macht auskommt und jegliche rationale Kritik gelten lässt, solange sie dem grundlegenden Prinzip des Nichtglaubens des Unbeweisbaren folgt.

  • 7 thomas // 24. Juli 2006 um 2:14 Uhr

    @niels: Wie gerade in der Antwort auf thomas02 geschrieben, finde ich das Detail, um welche bibelgläubige Gruppe es geht, nicht wichtig. Ja, sie legen dieses Buch unterschiedlich aus, aber allein die Tatsache, dass es ausgelegt wird, zeigt doch, dass es beliebig ist, was man daraus lesen will.

    Dass man sich für die Regelung des menschlichen Zusammenlebens überhaupt noch auf archaische Texte beruft, ist ein Armutszeugnis für die Menschheit und sollte heute, 300 Jahre nach der Aufklärung, längst Vergangenheit sein.

  • 8 niels // 24. Juli 2006 um 9:48 Uhr

    thomas: Schon Dein Schluss von Auslegung der Bibel zu Beliebigkeit ist falsch. Auslegung findet (außerhalb evangelikaler Gruppen und Kirchen) eben nicht beliebig statt, sondern hat sich an den zentralen Inhalten der christlichen Botschaft zu orientieren - zuallererst: Glaube, Liebe, Hoffnung.

  • 9 Ich bin Atheist · Christenunterscheidung // 24. Juli 2006 um 11:19 Uhr

    [...] Niels kritisiert den schon erwähnten Spreeblick-Artikel als “Plumpes Kirchen-Bashing”, weil die katholische Kirche in den selben Topf wie kreationistische Freikirchen geworfen werden. [...]

  • 10 emporda // 18. Oktober 2009 um 11:27 Uhr

    @Niels

    Wenn also allein in den USA etwa 6000 katholische Priester kleine Jungs vernaschen und kleine Mädchen mißbrauchen, dann geschieht das aus Liebe mit der Hoffnung nicht erwischt zu werden, weil der Bischof auch so einer war als er noch konnte und sie deckt

    Wenn also in Irland christliche Heime 30.000 Kinder mißhandeln, quälen, teilweise sogar töten und als Arbeitssklaven einsetzen, dann geschieht das in dem Glauben mehr Profit machen zu können.

    Was ist das bloß für eine Religion, die solch menschlichen Abschaum als Priester auf die Mehrheit losläßt.

    Schuld ist nie jemand, Der Ratzfatz war im US Fernsehen tief betrübt und hat doch selber die Richtlinien geschrieben, nach dem solche pädophilen Untaten auf jeden Fall geleugnet und verheimlicht werden müssen - wenn nicht wird der Bischof exkommuniziet so die Drohung. Den Opfern der Kirche hilft keiner, der irische Nuntius-Kardinal beruft sich auf seine Immunität und den Schaden zahlt der irische Steuerzahler.

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