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Blog und Spiele

9. August 2006 · 9 Kommentare

trauerkarte helena stavros

MARKETING MIT MYSTERIÖSEN TRAUERKARTEN, BILD: RENÉ

Man lernt nie aus. Dummer Spruch von banalem Inhalt, aber es stimmt eben trotzdem. Seit heute weiß ich, was Alternate Reality Games sind.

Aus Berlin verschickt jemand anonym Trauerkarten an einige Blogger. Verstorben ist angeblich eine gewisse Helena Stavros. Der Name eines Dichters auf der Karte führt zu dem Blog von jemandem, der vorgibt, Möbelrestaurator zu sein, aber wohl keiner ist. In seinem Blog findet sich eine etwas nebulös-konstruiierte Story darüber, was er mit “Helena Stavros” zu tun habe.

Spinner gab’s schon immer, im Internet sieht sie halt jeder, könnte man jetzt denken. Ich habe mich allerdings belehren lassen, daß man sowas wie das Pseudogetrauere des Schein-Restaurators ARG oder eben Alternate Reality Game nennt. Gespielt wird medienübergreifend, also per Post, Internet, telefonischer Kommunikation. Man streut Rätsel und legt dabei niemals offen, daß es sich um ein Spiel handelt. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen spielerischer Fiktion und dem tatsächlichen Geschehen.

Dahinter steht virales Marketing, also der Versuch, ein Produkt mit möglichst wenig Mitteln durch Epedemie-artige Effekte innerhalb von sozialen Netzwerken bekanntzumachen. In diesem Fall finde ich die Umsetzung eher ein wenig lahm. Insbesondere der Zusammenhang zwischen dem “Möbelrestaurator” und der Verstorbenen wirkt künstlich und konstruiiert. In Zukunft darf es ruhig etwas pfiffiger sein, liebe Marketingexperten, dann spiele ich auch mit…

In den Kommentaren zum Spreeblick-Artikel dazu meint man den Urheber schon ermittelt zu haben.

Rubrik: Netzkultur

9 Kommentare bisher ↓

  • 1 René // 10. August 2006 um 0:43 Uhr

    Ich wäre dir sehr verbunden wenn du die Adresse in meinem Foto schwärzen und meinen Namen in deinem Artikel auf den Vornamen kürzen würdest. Ich bin da etwas empfindlich. Danke.

  • 2 niels // 10. August 2006 um 0:51 Uhr

    Ich finde das Ansinnen zwar etwas eigenwillig. Schließlich begibt man sich mit einem -sogar mit vernünftigem Impressum versehenen Blog- selbst mit diesen Daten an die Öffentlichkeit, aber seis drum.

    Ich habe Deiner Bitte entsprochen.

  • 3 René // 10. August 2006 um 1:19 Uhr

    Es geht eigentlich mehr über die Kontrolle über die Daten. Ich möchte vermeiden dass man von mir per Google ein Profil o.ä. erstellen kann. Suchmaschinen sind per robots.txt ausgesperrt und im Zweifelsfall kann ich die Daten einfach entfernen. Klingt paranoid, ich weiß.

  • 4 niels // 10. August 2006 um 1:37 Uhr

    Ach, paranoid finde ich das eigentlich nicht, eher inkonsequent. Denn wenn Du Googles mächtigen Datenbestand für potentiell gefährlich oder nachteilig hälst (wofür man durchaus gute Gründe anführen könnte), solltest Du auch berücksichtigen, daß Du auch mit robots.txt nur sehr eingeschränkt beeinflussen kannst, was im Netz wo landet von den Daten, die Du einmal veröffentlicht hast.

    Wenn ich jetzt zum Beispiel zickig reagiert und Deinen Namen dringelassen hätte oder ihn erst morgen gelöscht hätte, nachdem der Crawlbot die Seiten schon eingelesen hat, wäre der Name in Verbindung mit Deinen Seiten im Google-Index gelandet.

    Wer nicht möchte, daß man Daten über ihn im Netz findet, sollte sie m. E. nicht veröffentlichen.

  • 5 René // 10. August 2006 um 2:55 Uhr

    In Deutschland bin ich als Betreiber eines Weblogs nun mal leider gezwungen ein Impressum zu haben, ob mir das gefällt oder nicht. Ich habe also die Wahl zwischen Weblog oder kein Weblog. Also wähle ich das Weblog, versuche aber die Verbreitung meiner Personendaten so weit es mir möglich ist, einzuschränken. Ein bisschen ist besser als nichts.

  • 6 Tino // 10. August 2006 um 8:00 Uhr

    Schonmal den Brief genau gelesen?
    Schau Dir mal die falschen großbuchstaben an.

    HILFMIR…

    Eine kleine, versteckte Botschaft….

  • 7 niels // 10. August 2006 um 14:45 Uhr

    Tino: Das wurde ja schon von vielen Leuten entschlüsselt. Und wie gesagt: Grundsätzlich finde ich die Idee ganz witzig, aber in der Umsetzung etwas zu plump.

  • 8 Andi - andreas-lazar.de // 21. September 2006 um 16:09 Uhr

    Ach witzig, diese Todesanzeige habe ich auch bekommen und irritiert weggeworfen. Scheine ja nicht viel verpaßt zu haben.

  • 9 niels // 21. September 2006 um 17:38 Uhr

    Scheint mir auch so. Vielleicht ist der nächste Anlauf in dieser Richtung ja etwas pfiffiger und erreicht mich auch.

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