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Klinsi oder nicht Klinsi: Der Wahlkampf in Berlin

16. August 2006 · Keine Kommentare

Ihr kennt das sicher alle: Als Nicht-Berliner will man mit seiner Hauptstadt möglichst wenig zu tun haben. So geht mir das auch. Sicher, gelegentlich fahre ich mal hin für eine interessante Ausstellung oder schlichtes Sightseeing. Den Rest des Jahres schaue ich eher distanziert auf -merkwürdigerweise- Deutschlands größte Stadt. Zuweilen bin ich angewidert - z. B. unmittelbar nach Berlin-Besuchen, wenn ich mal wieder die leider nicht nur sprichwörtliche Berliner Schnauze erleben musste. Gelegentlicht bin ich total neidisch auf die Berliner, weil die Stadt doch ziemlich bunt und in Teilen sehr, sehr lebenswert ist. Und manchmal auch verärgert - immer dann wenn der rot-rote Pleite-Senat noch mehr Geld von Bund und anderen Ländern will.

Ganz oft sind wir erfüllt von Mitleid mit Berlin und den Berlinern. Schließlich hat unsere Hauptstadt nicht nur eine Dauerhaushaltskrise, die zu so kuriosen Dingen führt wie dem Einsatz von Opel-Corsa-Kleinstwagen als Polizeiautos und an vielen Orten auch Verfall und Trümmer hinterlässt. Vor allem aber stirbt die Stadt. Damit ist nicht ein Verlust von Originalität nach dem Ende der kuriosen Insellage gemeint, sondern schlichte Demographie. Wegzug und der negative Geburtensaldo lassen bis 2050 ein Schrumpfen der Bevölkerung um 10 % erwarten.

Wenn all diese Emotionen ausbleiben, hat man mit Berlin einfach ganz wenig zu tun. Schließlich liegt die Stadt innerhalb Deutschlands ziemlich abseitig. Große Unternehmen sind in ihr nicht angesiedelt, sie hat keinen bedeutsamen Umsteigeflughafen und obwohl das bundespolitische Leben sich inzwischen dort eingerichtet hat, haben selbst die zwei ernstzunehmenden überregionalen Berliner Zeitungen nur wenig Bedeutung für den Rest der Republik. Nach Hamburg fahre ich manchmal zum Einkaufen, nach Frankfurt und München kommt man zum Umsteigen. Nach Berlin kommen nur die, die wirklich nach Berlin wollen.

Wegen dieser -ich sehe, schon: überlange Einleitung- Entfremdung des gemeinen Deutschen von seiner Hauptstadt bekam ich auch vom dortigen Landtagswahlkampf bisher nicht viel mit. Über den merkwürdig schräg angeordneten Textteil der SPD-Plakate hat Spreeblick schon gespottet, ebenso über eines der Motive, bei dem ein schutzbebrilltes Wissenschaftlerinnen-Model an einem fischertechnik-ähnlichen Versuchsaufbau herumbastelte.

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Ein anderes Plakatmotiv sorgt jetzt immerhin für bundesweite Presseresonanz: Ich selbst würde ja höchstens darüber grübeln, was dieser schwachsinnige Satz mit “pro Kopf mehr in die Köpfe investieren” bedeuten soll. Ein Berater Jürgen Klinsmanns aber meint, mit dem Blonden links auf dem Plakat habe die SPD bewusst einen Klinsmann-Doppelgänger ausgesucht. SPIEGEL ONLINE interviewt den Abgebildeten Daniel Kind dazu. Überflüssig, albern, oberflächlich - so könnte man jetzt urteilen. In Wahrheit liefert dieses Interview dem nicht in Berlin wohnenden Teil der Bevölkerung aber eine wertvolle Information: Wichtiges gibt es nicht zu berichten aus dem Wahlkampf dort. Also wenden wir uns flugs wieder ab von unserer Hass-Liebe Berlin und lehnen uns halb desinteressiert, halb belustigt zurück.

Rubrik: Zeitgeschehen

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