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Zum Karfreitag: Die Orgel schweigt

6. April 2007 · 4 Kommentare

Miguel Angel Crucifixion La Redonda Logrono Spain

MICHELANGELO, KREUZIGUNG

Den evangelischen Kirchen wird häufig vorgeworfen, ihr Wirken sei nicht sinnlich genug. Protestantische Geistliche würden zu nüchtern zelebrieren. Von den Gottesdiensten denken viele Menschen, sie seien zu wortlastig; manche sagen gar “geschwätzig”.

Und zum Teil muß ich denen rechtgeben, die so scharfe Worte finden. Es gibt Gemeinden, in denen überfrachtete und scheinbar endlose Fürbitten gehalten werden, in denen die Liturgie wenig kunstvoll und lustlos heruntergeleiert wird. Und jeder evangelische Gottesdienstbesucher hat wahrscheinlich schon Pastoren predigen gehört, die sich nur auf der Kanzel wohlzufühlen scheinen.

Ich habe heute im Karfreitagsgottesdienst zum Glück etwas anderes erlebt. In meiner Kirche wurde der Sterbestunde Jesu symbolisch gedacht durch das Auslöschen der Altarkerzen im Gottesdienst. Von diesem Moment an schwiegen Orgel und Glocken. Es war sehr bewegend, die Kerzen verlöschen zu sehen und dann bis zum Ende des Gottesdienstes mit der Gemeinde die Passionslieder nur noch a capella anzustimmen.

In den kommenden Jahren finden hoffentlich viele evangelische Gemeinden den Mut, Feierlichkeit und Andacht auch an anderen Tagen des Kirchenjahres in ihre Gottesdienste zu bringen, ohne Angst davor zu haben, das evangelische Bekenntnis aufzuweichen.

Rubrik: Glaube und Religion

4 Kommentare bisher ↓

  • 1 wuestenfloh // 6. April 2007 um 23:06 Uhr

    Allein mir fehlt der Glaube…
    Ich weiß nicht, ob man die Gläubigen um ihren Glauben beneiden soll.

  • 2 niels // 7. April 2007 um 12:18 Uhr

    Verlangt doch auch keiner irgendwelchen Neid oder hast Du da andere Erfahrungen gemacht?

  • 3 wuestenfloh // 8. April 2007 um 15:18 Uhr

    Ich mein das irgendwie anders. Etwa in dem Sinne: Ist es besser zu glauben oder nicht zu glauben? Die Frage muss aber jeder für sich selbst beantworten, denke ich.

  • 4 niels // 8. April 2007 um 23:46 Uhr

    ” Ist es besser zu glauben oder nicht zu glauben? Die Frage muss aber jeder für sich selbst beantworten, denke ich.”

    Das ist allerdings wahr.

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