BILD: WIKIPEDIA, LIZENZ
So schick errötet sah Joseph Ratzinger bekanntlich noch nicht immer aus. In den 1960iger Jahren lehrte er als Professor für katholische Dogmatik in Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg.
In dieser Zeit enstand “Einführung in das Christentum”. In diesem Band sind Vorlesungen über das Glaubensbekenntnis gesammelt, in denen Ratzinger nicht nur den wesentlichen Inhalt des christlichen Glaubens auf knapp 300 Seiten darstellt, sondern auch auf das Wesen von religiösem Glaube insgesamt eingeht.
Das Buch fiel mir dieser Tage zufällig in die Hände und ich habe neugierig mit dem Lesen begonnen.
Ganz zu Anfang legt Ratzinger dar, daß in jedem Atheisten eine Portion Glauben steckt und in jedem Gläubigen ein Stück Atheismus.
Denn der eine kann nicht glauben, ohne mindestens von Zeit zu Zeit an Gott und dessen Macht zu zweifeln. Und der andere kann sich nie ganz sicher sein, daß da nichts Göttliches ist.
Das mag für überzeugte Atheisten provokant oder agressiv klingen, weil sie sich gewissermaßen gegen ihren Willen in die Welt der religiös denkenden einbezogen fühlen, ist aber trotzdem wahr.
Für religiöse Menschen ist es natürlich eine triviale Erkenntnis, daß ihr Glaube inneren Anfeindungen und Zweifeln ausgesetzt ist. Aber sprachlich hat Ratzinger das so einleuchtend und stimmig ins Bild gesetzt, daß ich weiterlesen werde.
3 Kommentare bisher ↓
1 Besitzstandswahrer // 26. April 2007 um 17:37 Uhr
Deswegen bin ich auch nicht Atheist, sondern Nihilist :-)
2 Thomas // 27. April 2007 um 19:40 Uhr
Ja, eine schöne und wahre Formulierung. Liegt aber wohl daran, dass diese Erkenntnis für mich trivial ist. ;-)
3 niels // 28. April 2007 um 0:47 Uhr
Klar ist das trivial, aber es ist doch auf den ersten Blick überraschend, daß ausgerechnet jener Theologe, der später in seiner Laufbahn dann Leiter der Einrichtung war, die früher Heilige Inquisition genannt wurde, den Zweifel zum inhärenten Bestandteil des Glaubens erklärt.
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