Ich bin wahrlich kein Freund der Ex-SED. Ihre gemischte Mitgliederstruktur aus alten DDR-Kadern und naiven Jungkommunisten erregt bei mir nur Argwohn und Ablehnung. Ihre Neigung zu Geschichtsverfälschung und Ignoranz, wenn es um DDR-Vergangenheit geht, ist beschämend.
Der Partei aber im Verfassungsschutzbericht 2006 ein “ambivalentes Verhältnis auch zur Gewalt” vorzuwerfen und diesen Vorwurf damit zu begründen, eine PDS-Bundestagsabgeordnete habe zu Unibesetzungen und Autobahnblockaden durch gegen Studiengebühren protestierende Studierende gesagt
Die Studierenden sind offensiver und es werden radikalere Protestformen gewählt. … Anstatt nur Podiumsdiskussionen zu organisieren und zu Demonstrationen aufzurufen, blockieren sie Autobahnen und besetzen Gebäude. Ich begrüße diese Proteste. (S. 159)
ist einfach nur albern und naiv.
6 Kommentare bisher ↓
1 housetier // 20. Mai 2007 um 21:07 Uhr
Unser Politiker, der eigentlich für den Schutz der Verfassung zuständig ist, nimmt es mit dieser selbst nicht so genau. Um kritischen Fragen zu entgehen, zeigt er auf die Fragesteller, um diese zu delegitimieren (ist das überhaupt ein Wort?).
2 maloXP // 22. Mai 2007 um 11:18 Uhr
Wann hat denn die Linkspartei zum letzten Mal die Geschichte verfälscht? Werd mal bitte konkret - das Image, welches Du hier reproduzierst ist nämlich (trotz des in den Medien und bei den meisten der anderen Parteien nach wie vor so dargestellten Bildes) schon seit ein paar Jahren überholt. Inklusive dem Parteinamen PDS.
3 niels // 22. Mai 2007 um 14:32 Uhr
maloXP: Hier zum Beispiel.
“Keine Solidarität mit den Angriffen auf antifaschistische Denkmäler in Estland” kreischt Frau Wagenknecht da und reiht sich ein in die große Tradition der Stalinapologeten im sozialistischen Lager, wo Faschismus und Antifaschismus gerne danach sortiert wird, wer für und wer gegen die große Revolution ist, nicht nach politischen Inhalten.
Wie kann man nur so dummdreist sein, die Besetzung des Baltikums durch Stalins Sowjetunion als Befreiuung zu feiern?
4 Don Otto // 22. Mai 2007 um 20:04 Uhr
@maloXP
Ich glaub, Du bist jetzt gefragt.
5 maloXP // 22. Mai 2007 um 22:16 Uhr
Da steht nix von Stalin. Ich finde auch man sollte sich über die Vorgänge im Baltikum nicht unbedingt ein Urteil erlauben, wenn man nicht die sowjetische Besatzung und die daraus resultierenden je nationalistischen “Parallelgesellschaften” von Russischstämmigen Ex-Besatzern und Balten im Blick hat, die in dem Konflikt eine weitaus wesentlichere Rolle spielen als der Kommunismus an sich. Ich hab da gar nicht so richtig Ahnung von, aber eine Ex-Freundin von mir war mal ein Jahr in Lettland und hat mir da Geschichten erzählt…
Worum es mir ging, ist dass man die Linkspartei nach den gleichen Maßstäben beurteilen sollte wie andere Parteien. Wenn der Spiegel aber von (sinngemäß) “bereits der zweiten Namensänderung seit SED-Zeiten” spricht und einen grundsoliden demokratischen Diskurs innerhalb der Partei als tiefes Verwürfnis bezeichnet, dann sehe ich einfach nicht dass das gegeben ist.
Versteh mich nicht falsch, ich hab die erst einmal gewählt, ich bin da kein Mitglied, sehe die Leute da partiell auch sehr kritisch und meine Mutter war Stasi-Opfer - aber die Linkspartei sollte man bitte endlich mal beginnen nach Inhalten zu beurteilen und nicht nach dem, was andere Parteien ihr an Vergangenheit zurechnen. Wie oft soll man sich denn bitte distanzieren und “neu erfinden”? Und wenn die verfaulenden Stasi-Oppas PDS wählen - mir Latte, solange Lothar Bisky, Gysi und Petra Pau zu einem großen Teil Positionen vertreten, mit denen ich mich durchaus anfreunden kann. Die Distanzierungswelle in der Linkspartei schließlich nimmt teilweise auch groteske Formen an. Sekundärliteratur, heute mal Max Goldt:
Hoffe, es ist klar geworden, was ich meine.
6 niels // 23. Mai 2007 um 8:37 Uhr
“Da steht nix von Stalin. “
Das ist ja das Schlimme. Die schreiben “Befreiuung” und “Antifaschismus” und meinen die Sowjetunion Stalins.
“Ich finde auch man sollte sich über die Vorgänge im Baltikum nicht unbedingt ein Urteil erlauben, wenn man nicht die sowjetische Besatzung und die daraus resultierenden je nationalistischen “Parallelgesellschaften” von Russischstämmigen Ex-Besatzern und Balten im Blick hat, die in dem Konflikt eine weitaus wesentlichere Rolle spielen als der Kommunismus an sich. Ich hab da gar nicht so richtig Ahnung von, aber eine Ex-Freundin von mir war mal ein Jahr in Lettland und hat mir da Geschichten erzählt…”
Ich war auch mal da, zwar nicht in Lettland, aber in Estland. Die Problemlage kenne ich; die baltischen Staaten haben sich da nicht immer akzeptabel verhalten, aber ich werfe ja weder Estland noch den dort lebenden Russen etwas vor, sondern der deutschen Linkspartei.PDS ihre Äußerungen zu den Geschehnissen in Estland.
“Worum es mir ging, ist dass man die Linkspartei nach den gleichen Maßstäben beurteilen sollte wie andere Parteien.”
Das tue ich auch. Wenn aus einer anderen Partei so ein Schwachfug käme, würde ich das genauso kritisieren. Wenn in der CSU jemand in brauner Soße herumrührt, lasse ich das auch nicht unkommentiert.
Max Goldt liest sich da natürlich recht flott. Aber in der PDS sind einerseits natürlich nicht nur junge Hüpfer aktiv, sondern auch ältere Profiteure der DDR-Gesellschaft.
Außerdem geht es -zumindest mir- nicht darum, Entschuldigungen einzufordern. Die gegenwärtigen Äußerungen der Partei sind ekelhaft genug. Wenn sich zum Beispiel prominente Vertreter hinstellen und sagen, man müsse den Mauerbau auch als gewissermaßen zwangsläufige Folge der Naziherrschaft betrachten und beim Gedenken die armen traumatisierten Mauerschützen nicht aus dem Blick verlieren, wird mir übel.
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