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Im Kino: Das Mädchen, das die Seiten umblättert - La Tourneuse de pages

22. Mai 2007 · 4 Kommentare

BILDER: ALAMODE FILMVERLEIH

das-maedchen-das-die-seiten-umblaettert-deborah-francoisDie Filmfigur des bösen Kindermädchens ist nach Kinomaßstäben uralt und spätestens seit Die Hand an der Wiege auch dem Massenpublikum bekannt.

Das Mädchen, das die Seiten umblättert kommt weitaus subtiler und interessanter daher.

Mélanie Prouvost (Déborah François und als Kind Julie Richalet) wächst in kleinbürgerlichen, aber glücklichen Verhältnissen auf. Ihre Eltern ermöglichen der begabten Tochter hochkarätigen Klavierunterricht. Die Aufnahmeprüfung am Konservatorium verpatzt die kleine Mélanie jedoch, weil sie durch das ungebührliche Verhalten einer der Prüferinnen aus dem Konzept gebracht wird.

Jahre später begegnet sie bei einem Praktikum Ariane Fouchécourt, der Klavierprofessorin, erneut und gewinnt Schritt für Schritt ihr Vertrauen. Zunächst soll sie nur auf den Sohn der Konzertpianistin aufpassen, später wird sie als Umblätterin bei Konzerten ihre wichtigste Stütze.

deborah-francois-und-catherine-frot-das-maedchen-das-die-seiten-umblaetterte1Die ängstliche und psychisch zerbrechliche Frau kommt ihr immer näher. Langsam zeichnet sich der Racheplan Mélanies ab, obwohl die Beziehung der beiden auch eine erotische Komponente entwickelt.

Unbedingt ansehen! Der Film erzählt langsam und häufig ist nicht klar, ob der ganze Geschehensablauf von Mélanie brutal und kühl durchgeplant ist oder ihr der Zufall in die Hände spielt. Das Setting des französischen Großbürgertums ist ein idealer Hintergrund für das Drama.

Déborah François macht übrigens sowohl im Bikini als auch ohne eine gute Figur.

Rubrik: Im Kino gewesen. Gebloggt.

4 Kommentare bisher ↓

  • 1 Zuckerbäckerin // 23. Mai 2007 um 21:23 Uhr

    Ein Film der leisen Töne, herrlich unaufgeregt und doch sehr spannend. Mir hat die zurückhaltende Inszenierung der “Racheakte” gefallen.

  • 2 niels // 24. Mai 2007 um 14:07 Uhr

    Finde ich auch.

    (Achtung, Spoiler:)

    Ebenso, wie mir gut gefiel, daß ihre Bosheit an vielen Stellen nur durchschimmert (z. B. beim Untertauchen des Jungen im Pool oder als sie ihn animiert, das schwierige Bach-Stück schneller zu spielen). Der große, vernichtende Racheakt kommt dann erst relativ spät.

    Nicht ganz schlau geworden bin ich aus dem Verhältnis zwischen Melanie und dem Cellisten: Erst macht sie ihm ein bißchen schöne Augen und als er sich ihr dann tatsächlich nähert, setzt sie dem ein blutiges Ende. Oder ging es ihr beim Zustechen nur darum, das Trio für eine Weile außer Gefecht zu setzen?

  • 3 Zuckerbäckerin // 28. Mai 2007 um 9:58 Uhr

    Hmm, schwierig zu sagen. Ich hatte allerdings nicht den Eindruck, daß Sie ihm schöne Augen macht. Als er das erste Mal zur Tür hereinkommt und sie interessiert mustert, betrachtet sie ihn eher abschätzig. Kurz darauf ist die Szene, in der er aufdringlich wird und sie zusticht.

    Ich hatte eher das Gefühl, die Szene soll Mélanies “kalte Seite” unterstreichen. Ein stilles, hübsches und irgendwie auch sprödes Mädchen, das man nicht unterschätzen sollte. Mir wurde sie immer unheimlicher. Die Gruppe zerstört sie ja indem sie bei dem entscheidenden Vorspiel fernbleibt, die Pianisten deshalb patzt, und sich der Agent zurückzieht.

  • 4 niels // 29. Mai 2007 um 18:52 Uhr

    “Ich hatte eher das Gefühl, die Szene soll Mélanies “kalte Seite” unterstreichen. “

    Mag sein, ja. Die war mir allerdings schon klar, als sie ihr einsames Abendessen in dem karg möblierten Zimmer einnahm und mit ihrer Mutter telefonierte.

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