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Böse Benze - gute Kleinwagen?

24. Mai 2007 · 3 Kommentare

feuer

Bild: pixelio.de

In Deutschland brannten in den letzten Monaten ein paar Autos. Ausgelöst nicht durch Dummheit, Versicherungsbetrug oder technisches Versagen, sondern angezündet von Leuten, die meinen, ein Mercedes, Audi oder BMW sei etwas Böses.

Auf der einen Seite wird versucht, Panik zu stiften - das LKA Schleswig-Holstein ist offenbar ein wenig traurig darüber, daß hier im Norden so wenig passiert und schrieb vorgestern in einer Pressemitteilung:

In Schleswig-Holstein kam es in den vergangenen 14 Monaten zu zwei Brandanschlägen, die von noch unbekannten Tätern ebenfalls in einen Begründungszusammenhang mit dem G8-Gipfel gebracht wurden.

Am 27.4.2006, also vor über einem Monat, gab es einen Brandanschlag auf das Auto des Direktors des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts. Ende März 2006, also vor über einem Jahr, hatte es Randale auf dem Gelände einer Gleisbaufirma gegeben und dazu liegt der Polizei ein eher obskures und sachlich fehlerhaftes Bekennerschreiben vor.

Der Zusammenhang des 2006er Anschlages mit dem G-8-Gipfel ist schlicht konstruiert. So eine Dramatisierung und Hysterie ist abstoßend.

Und dann gibt es Leute, die finden das zwar eigentlich böse, aber dann doch ganz gut. Kommentatoren bei Maltes Artikel im Spreeblick z. B.

Autos anzünden sei ja nicht so schlimm, wenn es die Richtigen trifft. Nur Kollateralschäden seien Grund genug, sowas nicht zu machen. Das Abfackeln von Diekmanns Auto sei “durchaus gelungen”. Ekelhaft.

Leute merkt Ihrs noch? Fremder Leute Eigentum zu zerstören, ist nie in Ordnung, egal wem es gehört und was ich von demjenigen halte.

Der Gipfel geistiger Armut ist aber die These, große Autos anzuzünden sei in Ordnung, der Kleinwagen des Nachbarn müsse dagegen verschont bleiben. Gibt es da einen Grenzwert? Geht es um das Modell, die Automarke oder den Preis? Darf man einen alten Mercedes abfackeln, einen nagelneuen Kleinwagen mit dekadenter Klimaanlage?

Solche Überlegungen sind von vornherein eine Fehlzündung.

Die Gruppen, die in Berlin Hand und Fackel an “Bonzenautos” legen, machen sich so absurde Gedanken übrigens tatsächlich:

Dabei ist größter Wert auf die Zielgenauigkeit bei Aktionsvorhaben zu legen. Wenn bspw. eine spezifische ‚Nobelkarosse‘ flambiert werden soll, dann ist darauf zu achten, dass in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft keine Kleinwagen geparkt sind und die weitere Umgebung (Wohnhäuser etc.) nach allem, was einzuschätzen ist, nicht tangiert wird. Ist man dessen nicht sicher, hat eine solche Aktion zu unterbleiben. (INTERIM, Nr. 644, 26.10.2006, S. 27 f.; zitiert nach Verfassungsschutzbericht 2006, S. 144).

Rubrik: Zeitgeschehen

3 Kommentare bisher ↓

  • 1 eadha // 24. Mai 2007 um 16:00 Uhr

    Unschön, wenn man überlegt, wem eigentlich geschadet wird…. Als ich mit einer Bekannten, die immer wieder auf 1. - Mai-Demos ist, diskutiert habe, warum man nicht friedlich demonstrieren kann, ohne Steine zu schmeißen und ohen irgendwas zu demolieren und in Brand zu stecken, meinte sie irgendwann auch, dass sie ja eigentlich gegen Steine schmeißen oder Autos anzünden ist, aber kein Problem damit hat, wenn ein Auto von einem offensichtlich Reichen in Flammen aufgeht “der kann sich’s ja leisten” - und dann frag ich mich immer wieder, wie diese Menschen auf diese Ideen kommen….

  • 2 niels // 24. Mai 2007 um 16:08 Uhr

    Jau, völlig kranke Argumentation. Sobald man den Quatsch auf diesem Wege erstmal legitimiert, gibts kein Halten mehr.

    Denn wenn jemand mit 100.000 Euro Einkommen es sich leisten kann, einen neuen Wagen für € 20.000 zu kaufen, ich das Auto ergo kaputtmachen darf, dann kann es auch nicht böse sein, der Putzfrau mit € 5000 Jahreseinkommen den 1000-Euro-Fernseher zu klauen…

  • 3 franz // 24. Mai 2007 um 21:21 Uhr

    Ist es auch nicht!

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