
Die Linkspartei fährt im Westen mit dem Ärger um DKP-Kader in ihren Fraktionsreihen gerade ziemlich laut an die Wand. Nicht dass mich das stören würde, aber interessant ist doch die Frage, warum die westdeutschen Landesverbände diese merkwürdigen Kooperationen überhaupt eingegangen sind.
Der Nutzen für die DKP ist klar. Nach Jahrzehnten der Bedeutungslosigkeit mit Wahlergebnissen im Promillebereich ziehen wieder DKP-Mitglieder in Landtage ein. Aber was hat die Linkspartei davon?
Nach den Presseberichten ruft die DKP im Gegenzug zur Wahl der Linkspartei auf; angesichts des weniger als bescheidenen Wählerpotentials der unbelehrbaren Altkommunisten ist diese Werbung allerdings nicht besonders wertvoll. Im Ergebnis war es also ein bedeutender strategischer Fehler, der für die Linkspartei den “Marsch nach Westen” insgesamt gefährden könnte.
7 Kommentare bisher ↓
1 Martin // 17. Februar 2008 um 15:03 Uhr
Naja. Vielleicht sind die sich insgesamt nicht so fern , wie es auf den ersten Gysi-Lafontaine-Bisky-geprägten Blick aussieht. Denn ein Sammelbecken - das sind die im Westen - sammelt eben wirklich alles ein… in der Hoffnung, damit über die 5% zu kommen. Und in der Hoffnung, dass es keiner merkt. Bisher ist das ja auch gut gegangen. Ob sich die WäherInnen der Truppe durch derartige Fälle beeindrucken lassen, ist auch eher unsicher.
2 Franz // 17. Februar 2008 um 15:23 Uhr
Die Frage stellt sich tatsächlich warum DIE LINKE mit der DKP kooperiert. In dem Panorama-Interview erzählt ein Mitglied man habe bisher immer 0% Stimmen bekommen.
Die Aussagen von Frau Wegner gibts hier zur Diskussion:
http://www.trupoli.com/de/politiker/wegner_christel
3 Lukas // 17. Februar 2008 um 18:00 Uhr
Ich kann’s mir höchstens so erklären: Die Linkspartei hatte in Niedersachsen schlicht nicht genug eigene Mitglieder, die in den Landtag hätten einziehen wollen. Dann hat man die Liste mit DKP-Kadern aufgefüllt und war selbst erstaunt, dass die noch mitgewählt wurden.
4 Michael // 17. Februar 2008 um 18:10 Uhr
Die Kooperation mit DKP u.ä. im Westen war der PDS ihrerzeit nach 1990 damals schon alles andere als fremd. Ich bezweifel aber, ob Bündelungseffekte durch Kooperationen um jeden (programmatischen) Preis - heute wie damals - sind oder waren, wobei dieser Preis 2008 um ein vielfaches höher ist.
Das ist natürlich leider wieder großes Kanonenfutter für unsachliche Presseaufschreie und undifferenzierte Dresche auf die Linke.
Die Diskussion sollte auf die Klarstellung des Fremdkörperstatus’ von Frau Wegner zielen, statt sich tiefer als eigentlich möglich in ihre Äußerungen zu graben und die üblichen panikmachenden Rückschlüsse auf das “wahre Gesicht der Linken” zu ziehen.
Kritik an ihrem “Verzichtsverzicht” ist formal nicht zu rechtfertigen. Courage, Imagekorrektur (wessen?) oder Einsicht (nunja…) sind die wirklichen Determinanten - mit denen sich ihre Wahl allerdings nicht umgehen lässt.
Die personellen Weichenstellungen hätten im Vorfeld - zur Not mit größtem Engagement - skandalsicher abgestimmt worden sein; das ging in Hessen mit Herrn Metz doch auch.
Sehr sehr ungeschickt diese Geschichte im Vorfelde Hamburgwahlen.
5 Martin // 17. Februar 2008 um 18:42 Uhr
Bei der Stadtverordnetenwahl in Bremerhaven hat auf der Liste der LINKEn jemand kandidiert, der auch schon bei der rechten SCHILL-PARTEI kandidiert hat - offenbar ein breites Sammelbecken ;-) War denen ziemlich peinlich. Aber grad zeigen die ja, dass es noch schlimmer geht.
6 niels // 17. Februar 2008 um 19:02 Uhr
Lukas: “Ich kann’s mir höchstens so erklären: Die Linkspartei hatte in Niedersachsen schlicht nicht genug eigene Mitglieder, die in den Landtag hätten einziehen wollen.”
Kann ich mir nicht so recht vorstellen. Schließlich ist die wichtigste Basis der Westlinkspartei die WASG; die wiederum hat doch einige Ex-SPDler, Gewerkschaftsfunktionäre und enttäuschte Grüne eingesammelt. Jedenfalls genug politikerfahrene Leute um eine Landtagswahlliste vollzukriegen.
7 sebastiangalka.de » Archiv » Christel Wegner freut sich diebisch: Die Linke betrügt ihre Wähler // 17. Februar 2008 um 21:55 Uhr
[...] gemacht, in welche Gefahr sie ihre Partei dadurch bringen, dass sie mit der DKP zusammenarbeiten, ohne daraus irgendeinen reellen politischen Nutzen zu ziehen. Denn wäre der Panorama-Bericht vor der Landtagswahl erschienen, wäre der Einzug der Linken in [...]
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