Die Presse zerbricht sich seit Tagen den Kopf darüber, welch ausgefuchste Strategie Kurt Beck mit seinen merkwürdigen Äußerungen in bezug auf Kooperationen mit der Linkspartei in Hessen kurz vor der Hamburg-Wahl wohl verfolgt hat.
Ich habe ja schon bisher kein Geheimnis daraus gemacht, dass ich Kurt Beck nicht für besonders überzeugend halte. Mag sein, dass ein linker Gemütsmensch der SPD nach den Schröder-Jahren zu parteiintern heimeliger Wohlfühlstimmung verhalf. Wenn man aber auch von Menschen außerhalb der eigenen Partei gewählt werden will, sollte man -von inhaltlichen Fragen ganz abgesehen- zunächst einen etwas weniger provinziell-tapsig auftretenden Mann an die Spitze stellen.
Beck traue ich durchaus zu, dass er mit seinem Linkspartei-Orakeln überhaupt keine Strategie verfolgt hat, sondern nur einem momentanen Instinkt gefolgt ist.
11 Kommentare bisher ↓
1 Martin // 24. Februar 2008 um 18:46 Uhr
Naja. Seit der Bremen Wahl ist Beck doch von allen immer kritisiert worden, die SPD habe keinen Plan im Umgang mit der LINKEn. Es reiche nicht sie zu ignorieren, sie seien nun da und man müsse sich auf sie einstellen. Wenn es nur noch die Wahl zwischen Großen Koalitionen oder Ampeln gibt, werden Ampeln (formal oder durch Tolerierung) durchaus zu Optionen. Irgendwer hat geschrieben, Schröder hätte nach der Hessen-Wahl machtpolitisch geguckt, wo die Mehrheiten sind und wie man den MP gestellt bekommt und dann entschieden (ohne Scheuklappen…).
2 niels // 24. Februar 2008 um 18:50 Uhr
Mag man noch für halbwegs nachvollziehbar halten, aber warum kommt er damit ausgerechnet wenige Tage vor der Hamburg-Wahl ‘rüber? Das wirkt ähnlich klug wie Christel Wegeners Äußerungen in Hessen.
Hätte er gewartet und wären dann in Hamburg “hessische Verhältnisse” eingetreten, wäre eine zarte Annäherung an die Linke als quasinotwendiges Übel leichter zu verkaufen gewesen.
3 Martin // 24. Februar 2008 um 18:55 Uhr
Gezockt. Wieviel hat die SPD die Nummer gekostet - 1 Prozent vielleicht. Beck hat eine zusätzliche Option eröffnet und kann argumentieren: seht ihr, das hat uns in Hamburg bei der Wahl nicht geschadet. Also können wir es auch durchziehen. Das wird innerparteilich deutlich disziplinierend wirken.
4 niels // 24. Februar 2008 um 19:16 Uhr
Wieviel hat die SPD die Nummer gekostet - 1 Prozent vielleicht.
Ich schätze mehr. Und langfristig gibt das sowieso Ärger parteiintern und mit den Wählern. Die Seeheimer und Netzwerker trommeln ja schon.
5 Michael // 25. Februar 2008 um 13:24 Uhr
Die Sozialdemokratie beginnt nun endlich auch in der obersten Führungsriege einzusehen, dass ein totaler Isolationskurs gegen Die Linke dauerhaft kontraproduktiv ist. Die strikten Absagen waren Versuche eines (Nicht-)Umgangs, mittlerweile werden sie aber zum Fehler.
Man sprach genervt über zwei Jahre von der “sogenannten Linken”. Was der Basis wichtig ist, hat 2005 gerade die Entstehung der Wahlalternative gezeigt. Nach dem Hamburger Programm wäre ein mutigerer Umgang mit der oder besser ein Zugehen auf die Linke nur folgerichtig - trotz Netzwerker, Seeheimer und der “Mitte”…
Die Alternative wäre ein sperrendes Andauern des Linkskrampfes, Frust in der SPD-Linken, vielleicht sogar mehr Stimmen und Zulauf für Die Linke und eine lange Zeit in Oppositionszwickmühlen.
6 Lukas // 25. Februar 2008 um 14:47 Uhr
Ich frage mich, wie lange die SPD brauchen wird um zu erkennen, dass Kurt Beck die denkbar schlechteste Antwort auf Merkel und Lafontaine/Gysi ist. Oder auf einen Zehnlitereimer Wattschlick.
Die Linkspartei soll ruhig mal irgendwo im Westen mitregieren dürfen (allerdings natürlich nicht dort, wo die SPD das vorher genauso kategorisch ausgeschlossen hat wie eine Mehrwertsteuererhöhung). Entweder es kommt was gescheites bei raus, oder die Faszination für diesen Haufen zerlegt sich ganz von allein und die Partei ist fünf Jahre später kein Thema mehr.
7 niels // 28. Februar 2008 um 11:59 Uhr
“Ich frage mich, wie lange die SPD brauchen wird um zu erkennen, dass Kurt Beck die denkbar schlechteste Antwort auf Merkel und Lafontaine/Gysi ist. Oder auf einen Zehnlitereimer Wattschlick.”
Wenn’s schlecht läuft für die Partei, merkt sie das erst nach den Bundestagswahlen. Ich vermute, Becks Stärke innerhalb der SPD gründet sich vor allem darauf, dass vielen Genossen die Alternativtruppe Steinbrück/Steinmeier nicht behagt.
8 refu // 28. Februar 2008 um 16:17 Uhr
Es geht ja schon los. Zumindest Naumann ist wohl extrem sauer (von AFP):
9 Michael // 29. Februar 2008 um 12:50 Uhr
Also Johannes Kahrs gerade auf Phoenix, das kann man sich ja nicht anhören: Er habe keine Lust mit der Linkspartei, sie lamentiere nur und verfüge über keine Antworten, sei reine Protestpartei und im Westen das Auffangbecken für Gescheiterte.
Da hätte man am liebsten gefragt ob Herr Kahrs Sozialdemokrat ist, aber die Frage geht gerade bei ihm eher in Richtung Verneinung…
10 Dan // 29. Februar 2008 um 13:44 Uhr
Kahrs hat aber recht. Schau dir doch mal an, wer im westen Linkspartei wählt. noch deutlich: wer mitglied ist.
11 Michael // 29. Februar 2008 um 20:56 Uhr
Für ehemalige Splittergruppenmitglieder mag das so zutreffen, aber die SPD macht daraus in aller Panik gleich eine Generalklausel der Unmöglichen Zusammenarbeit.
Aber immerhin, im Gegensatz zu den roten Socken, Mauer, MfS-Debatten hat das halbwegs argumentativen Wert.
Meintest du denn was Mitglieder angeht jemand bestimmtes? Lieblingsthema ist ja beinahe der Oskar und der aberwitzige Vorwurf von “Flucht”, oder etwas derber von “Schwanz einziehen”.
Wenn man feststellt, dass eine Politik gemacht werden soll, die man für sich selbst und vor den Grundsätzen, warum man mal in eine Partei gegangen ist, dann ist es nur konsequent und aufrichtig, den Hut zu nehmen.
Nichts anderes hat Lafontaine damals gemacht.
Von der Protestpartei ohne Antworten kann auch keinerlei Rede sein. Von eben diesen wird natürlich nichts ernstgenommen, es ist ja unpopulär, “gestrig” und nicht mit dem Dogma der gleichsamen Wehrlosigkeit gegenüber der Globalisierungskraft nicht vereinbar…
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