
Bild: pixelio.de
Ich glaube, sie ist schon da - und trotzdem nicht gefährlich.
In der aktuellen Auseinandersetzung um Rentenpolitik, Altersarmut und Generationengerechtigkeit werden keine Gefangenen gemacht. Roman Herzog warnte -selbst als Senior noch einigermaßen unbehelligt- vor einer “Rentner-Demokratie”, in der die Parteien sich mehr nach den Wählern als nach den Steuer- und Beitragszahlern richten. Wer wollte ihnen das verübeln?
Jens Spahn, CDU-Bundestagsabgeordneter, formulierte vergleichsweise sachlich - und erntete dafür Morddrohungen und Rücktrittsforderungen. Leonhard Kuckart, der Chef der NRW-Seniorenunion, tönte, er werde Spahns nächste Bundestagskandidatur verhindern. Damit geben sich die Rentnergeneration schon alle Mühe, die Diagnose Herzogs zu bestätigen.
Auch die Zahlen geben Herzog und Spahn auf den ersten Blick recht. Inzwischen leben in Deutschland nur noch 41 % der Menschen von dem, was sie selbst erwirtschaften (Zahlen für 2006, laut FAZ).
Ist das wirklich eine Katastrophe, wie uns in diesen Tagen manche glauben lassen wollen? Kaum.
Wer denkt denn ernsthaft, dass in zwanzig, dreißig oder vierzig Jahren Deutschland von der Generation 65+ brutal unterdrückt wird? Wer glaubt denn wirklich daran, dass diese Bevölkerungsgruppe alleine den Ton angeben kann ohne Rücksicht auf die Interessen derjenigen, die arbeiten und für die Finanzierung des Sozialstaats aufkommen?
Wie üppig künftige Rentenerhöhungen auch ausfallen mögen - kein Rentner kann sich aus der Gesellschaft ausklinken. Niemals wird der gesellschaftliche Diskurs von nur noch einer Altersgruppe beherrscht sein.
Kaum ein Rentner wird zudem ohne Dienstleistungen und Produkte auskommen können und auskommen wollen, die Jüngere erbringen, herstellen und liefern. Der Preis dieser Produkte und Dienstleistungen dürfte übrigens nicht unwesentlich davon abhängen, wie der Wohlstand zwischen den Generationen, zwischen den arbeitenden und den Rentnern jeweils verteilt ist.
Etwas mehr Sachlichkeit, bitte. Auf allen Seiten.
9 Kommentare bisher ↓
1 Joachim // 23. April 2008 um 9:41 Uhr
Dass wir in 20 Jahren wie in einem schlechten Science-Fiction-Film von grausamen Rentnern unterdrückt werden, glaube ich auch nicht.
Dass es aber zu wenig Differenzierung gibt, zwischen verhältnismäßig seltener wirklicher Altersarmut und einer niedrigen Rente (die dann häufig + hohe Ersparnis + Eigentum + gut verdienende Kinder usw. gerechnet werden müsste), das sehe ich als Problem - das mit der zunehmenden “Wahlkraft” der Seniorinnen und Senioren wächst.
Letztlich geht es darum, dass eine Lobby in absehbarer Zeit stärker sein wird, als andere Interessensgruppen. Man sieht es und kann es nicht verhindern.
2 niels // 23. April 2008 um 18:22 Uhr
“Letztlich geht es darum, dass eine Lobby in absehbarer Zeit stärker sein wird, als andere Interessensgruppen. Man sieht es und kann es nicht verhindern.”
Richtig; ich denke aber, übergroße Sorgen muss man sich deswegen trotzdem nicht machen.
3 Hans Heinz // 25. April 2008 um 15:13 Uhr
1957 gab es 40 Milliaden DM Reserven in den Rentenkassen. Sie wurden von der CDU-Regierung Adenauers fast vollständig zweckentfremdet für den Aufbau der ausdrücklich und ausschliesslich für die Verteidigung der deutschen Grenzen gegründeten Bundeswehr entnommen - (diese Grenzen verlaufen neuerdings nicht an Oder/Neiße, sondern am Hindukusch.)
So nachzulesen in “Vom bismarckschen Erfolgs-modell zum Pflegefall - Die Entwicklung des deutschen Rentensystems” siehe
http://www.locomnet.de/echonet/012005&polisaktiv/568/index.html
Um die gleiche Zeit - 1957 - wurde von Adenauer das Umlageverfahren eingeführt, das es der Politik ermöglichte, in die Kassen der Rentenversicherung zur Finanzierung völlig rentenfremder Vorhaben zu greifen, ohne dass dies den Beitragszahlern oder Rentnern allzu offenkundig wurde. ”
“Von dieser verlockenden Möglichkeit machten die Politiker in den folgenden Jahren auch reichlich Gebrauch.”
“Der erste richtig große Raubzug in die Rentenkasse erfolgte praktisch zeitgleich mit der Einführung der Umlagefinanzierung der Renten.”
Das findet seit 50 Jahren so statt - es werden jährlich durchschnittlich 10 Milliarden Euro dem Beitragsaufkommen der Versicherten entnommen, Gelder, die nach Zahlung der Renten als Überschuss früher gewinn- und zinsbringend angelegt wurden.
Die FDP-Fraktion erkundigte sch deshalb noch am 17. Mai 2006 in einer Kleinen Anfrage im Bundestag danach, in welcher Höhe immer noch solche überschüssigen Beiträge fü rentenfremde Zwecke entnommen werden:
“Im Bundestag notiert: Versicherungsfremde Leistungen in der Rentenversicherung - Arbeit und Soziales - Kleine Anfrage”. Die FDP vermutete, dass 2005 zwischen 6 und 19 Milliarden Euro durch die Beitragszahler aufgewendet werden mussten, um die unzureichenden Ersatzzahlungen aus Steuermitteln zu decken, die jedes Jahr in Höhe von 80 Milliarden für rentenfremde Zwecke von den Rentenvesicherungen verauslagt werden.
Im Jahre 2005 z.B. wurden aber nur 62 Milliarden € durch die Bunderegierung ersetzt, also ein Fehlbetrag von 18 Milliarden musste von den Beitragszahlern aufgebracht werden. Siehe:
http://webarchiv.bundestag.de/archive/2007/0180/aktuell/hib/2006/2006.12/10.html
ferner:
http://222.cecu.de/638+M54534a6485.html
50 Jahre x 10 Milliarden Euro = 500 Milliarden Euro müßten sich also als Reserven in den Rentenkassen befinden denn das monatliche Beitragsvolumen reichte für die monatlichen Rentenzahlungen und es blieben noch Überschüsse - und dazu wären noch Gewinne, Zinsen und Zinseszinsen hinzuzurechnen - es müßten also die Renten zur Zeit nicht nur höher sein, sondern auch genug Reserven für schlechtere Zeiten wie sie unseren Kindern und Enkeln drohen, die nun bis zu ihrem 67. Lebensjahr oder noch länger auf ihre Rente warten dürfen - und dann in einer Höhe gezahlt werden sollen, die nicht den eingezahlten Beiträgen entspricht.
Frühere Behauptungen, es seien “Zuschüsse zu den Renten” durch die Bundesregierung geleistet worden, weil sonst die Renten nicht ordnungsgemäß hätten gezahlt werden können, erwiesen sich als unwahr - es handelte sich ausschließlich um Ersatz für die rentenfremden Auslagen, welche den Rentenversicherungen aufgebürdet wurden - für welche jedoch unzureichender Ersatz aus Steuergeldern erfolgte für Aufgaben, die nicht allein von den Renten-Versicherungs-Beitragszahlern und den Rentnern, sondern vom gesamten Volk hätten getragen werden müssen, darunter sind auch Kriegsfolgelasten, Fremdrenten, Kosten der Wiedervereinigung,Ausbildungszeiten, Kosten für die Frühverrentung von 50jährigen, Kindererziehungszeiten usw. usf.
- also alles solche Kosten, für die niemals ein einziger Pfennig oder Cent Beitrag gezahlt wurde.
Was sich hier abspielt, ist ein Riesenskandal, und es wird Zeit, dass hier endlich einmal die Wahrheit ans Licht kommt.
Vor einigen Tagen hieß es im “Mittagsmagazin” des ZDF;: “Kaiser Wilhelm und Bismarck gründeten den Generationenvertrag” - es wird also wieder das verlogene Schlagwort ausfgewärmt, mit welchem irreführend der jüngeren Generation vorgegaukelt wird, es habe noch niemals ´jenes kapitalgedeckte Rentensystem gegeben, welches das Kaiserreich, den ersten Weltkrieg, die Inflationszeit danach, den 2. Weltkrieg und das “3. Reich” überstanden hatte und das erst Adenauer 1957 abschaffte.
Eigentlich müssten die Rentenkassen übervoll sein.
Man sollte die finanziellen Mittel, welche jetzt für zusätzlilche private “Altersvorsorge”, (”Riesterrente”), die Steuermittel dafür und die zur Zeit noch stattfindende Zweckentfremung von Beiträgen dafür einsetzen, um das gesetzliche, bis vor kurzem noch krisensichere gesetzliche Rentensystem zu sanieren.
Man sollte auch soviel Anstand besitzen, die dem
Rentensystem entnommenen Unsummen zu ersetzen.
Aber so viel Anstand ist wohl kaum zu erwarten, statt dessen muss man mit neuen “Reformen”, also Kürzungen im Sozialsystem rechnen.
Mehrstellige Milliarden-Euro-Beträge aus Steuergeldern für die Sanierung von Banken
denen wegen riskanter Spekulationen der Konkurs droht, sind ja offensichtlich auch kein Problem.
Der Ruin der Rentenversicherungen wurde durch unverantwortliche Politiker herbeigeführt, die sich nun über lächerliche 1,1 % mehr für die Rentner beschweren und sich selber fast zur gleichen Zeit erheblich höhere Vorteile verschafften.
Die eigentlichen Ursachen liegen nicht in der demoskopischen Entwicklung und den daraus entstandenen längeren Rentenzahlungszeiten. Denn die Rentenkassen müssten trotzdem übervoll sein, denn dafür hatten die jetzigen Rentner in Zeiten der Vollbeschäftigung gesorgt.
4 Hans Heinz // 25. April 2008 um 16:45 Uhr
Rentner-Republik - offenbar funktioniert Anklicken der angeführten Links nicht - desalb hier nochmals ein Versuch:
http://www.locomnet.de/echonet/012005/polisaktiv/568/index.html
5 Hans Heinz // 25. April 2008 um 16:51 Uhr
http://www.rentenreform-alternative.de/versichfremd.htm
6 Hans Heinz // 25. April 2008 um 16:56 Uhr
http://webarchiv.bundestag.de/archive/2007/0108/aktuell/hib/2006/2006_152/10.html
7 Hans Heinz // 25. April 2008 um 17:02 Uhr
http://www.cecu.de/638+M54534a64855.html
8 niels // 26. April 2008 um 14:08 Uhr
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Ansparsystem auf Umlagefinanzierung umgestellt, weil man einsah, dass ein Ansparsystem nicht hinreichend krisenfest ist. Durch zwei Weltkriege und die jeweils folgenden wirtschaftlichen Zusammenbrüche waren Sparguthaben zweimal praktisch komplett vernichtet, die Renten dadurch marginalisiert worden.
9 Hans Heinz // 15. Mai 2008 um 15:19 Uhr
Das kapitalgedeckte System der Rentenversiche-
rung hat das Kaiserreich, die Weltwirtschafts-
krise der 20er Jahre, den 2. Weltkrieg und sogar das 3. Reich überstanden.
Trotz der Verluste durch den 2. Weltkrieg waren die Finanzen der gesetzlichen Renten- versicherung zur Zeit der Währungsreform noch intakt.
Erst 1957 kam das Ende der kapitalgedeckten Rentenversicherung durch die fast vollständige Zweckentfremdung der Reserven in Höhe von 40 Mrd. DM und die Umstellung auf das Umlageverfahren, welches von Beitragszhahlern und Rentnern weitere. fast unbemerkte Griffe in die Rentenkassen durch die Politiker ermöglichte.
Seit 1958 wurden durchschnittlich 10 Mrd. €
Beitragsüberschüsse für Zwecke verwendet, die eigentlich nichts mit der Aufgabe der Rentenversicherung zu tun haben..
Wenn diese Überschüsse so wie bis 1957 praktiziert, gewinn- und zinsbringend angelegt
worden wären, gäbe es keine Probleme für die
jetzigen oder künftige Rentnergenerationen.
Den 50 x 10 Mrd. = 500 Mrd. Euro - ohne Gewinne, Zinsen und Zinseszinsen.
Es trifft deshalb nicht zu, dass “das Ansparsys-
tem nicht hinreichend krisenfest” sei und auch nicht die Behauptung, dass “durch zwei Welt-
kriege und die jeweils folgenden wirtschafttli-
chen Zusammenbrüche die Sparguthaben zweimal komplett vernichtet” worden seien.
Im Gegentgeil: Das kapitalgedeckte System hat mehrere politische Systeme und deren Katastrophen überstanden - nur die Politiker
des jetzt bestehenden politischen System haben es durch unvernünftige Eingriffe ruiniert.
Siehe: Büro gegen Altersdiskriminierung e.V.:
“Warum sind die Rentenkassen leer?”
http://webarchiv.bundestag.de/archive/2007/0108/aktuell/hib/2006/2006_152/10.html
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