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Zum Armutsbericht: Umverteilung ist längst Realität

23. Mai 2008 · 2 Kommentare

Viele bedenkenswerte Anmerkungen zum Entwurf des 3. Armuts- und Reichtumsberichtes der Bundesregierung hat Sebastian schon gemacht.

Noch ein Nachtrag:

Wer dieser Tage lauthals mehr Umverteilung, höhere Einkommen oder staatlich verordnete Mindestlöhne fordert, um einen tatsächlichen oder mehr gefühlten Notstand bei der Wohlstandsverteilung in Deutschland zu beseitigen, sollte sich vor Augen führen, dass derzeit schon massive Umverteilung von oben nach unten geschieht.

Der Entwurf des Berichts enthält auf Seite 16 eine Tabelle der Verteilung des Einkommenssteueraufkommens über die einzelnen Einkommensgrößenordnungen:

Die 10 % der Bevölkerung mit den höchsten Einkommen tragen 52,1 % der gesamten Einkommensteuerlast. 30 % der Bevölkerung zahlen 79,7 % des gesamten Einkommenssteueraufkommens.

Nicht falsch verstehen: Ich finde es gut und legitim, dass Menschen mit höherem Einkommen überproportional stärker zum Gemeinwesen beitragen als Ärmere. Aber man sollte das auch von Zeit zu Zeit zur Kenntnis nehmen und sich von dem ebenso alten wie populären Klischee befreien, Reiche würden sowieso kaum Steuern zahlen.

Rubrik: Zeitgeschehen

2 Kommentare bisher ↓

  • 1 Sebastian // 26. Mai 2008 um 15:00 Uhr

    Siehe auch dieser Artikel.

  • 2 Roger Beathacker // 4. Juni 2008 um 20:25 Uhr

    Es kommt in dieser Verteilung aber auch noch etwas anderes zum Ausdruck: wieviele Buerger naemlich von vornherein gar nicht das “Privileg” erreichen ueberhaupt einkommenssteuer zahlen zu “duerfen”:

    Dazu Guido Westerwelle bei Anne Will am 25.05.2008
    Westerwelle: Robin Hood Methode funktioniert nicht. Und es sei ja so: 50% der Bürger - die hart arbeitende Mittelschicht - erarbeiten 94%[!!!] des Einkommenssteueraufkommens!

    Er will merkbar immer noch “die Mitte” hinter sich bringen - sonst hat man ja gerne mit den oberen 5% oder 10% der Steuerzahler argumentiert, wie man z.B. auf den Nachdenkseiten lesen kann: “Die oberen zehn Prozent der Steuerpflichtigen zahlten 2006 rund 57 Prozent der gesamten Einkommensteuereinnahmen des Bundes, wie die „Sächsische Zeitung“ unter Berufung auf die jüngsten Steuerstatistiken des Bundesfinanzministeriums berichtet. 2004 waren dies nur knapp 53 Prozent.” - aber inzwischen muss man selbst bei den deutschen Deppen daruf gefasst sein, dass sie auf die Idee kommen, dann sogleich nach der Verteilung von Einkommen und Vermögen zu fragen und das zu Recht, denn wenn man das liest, dann ist die breite Mitte, so “unfair” behandelt nicht: es bleiben nämlich 40% “Mitte”, die - na so ein Zufall - gerade 37% des Einkommenssteueraufkommens zu tragen haben. Der ist schon ein Fuchs, der Guido! “

    Das zeigt doch vor allem eines: in welchen Regionen die Haelte der Bevoelkerung(!) perspektivlos herumduempelt.

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