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Im Kino: So ist Paris

19. Juli 2008 · Ein Kommentar

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Der spezielle Reiz von Episodenfilmen ist die Illusion von Echtheit und Wahrheit. Weil so viele Schicksale miteinander verwoben, zusammengesponnen und wieder auseinandergeführt werden, glauben wir, dass das Bild auf der Leinwand mehr mit dem wirklichen Leben zu tun hätte als die Geschichten, die wir sonst im Kino sehen. In Wahrheit ist das Bild nicht realistischer, nur größer. Es gibt mehr zu sehen und deshalb auch mehr Einzelheiten, in denen wir uns wiederfinden.

Cédric Klapisch ist mit So ist Paris ein hübsches Exemplar Episodenfilm gelungen. Mal in großen, barock anmutenden Totalen -Stadtansichten ebenso wie der Fleischgroßmarkt-, dann wieder temporeich und intim. Die ganze Zeit aber von einer lächelnden Melancholie durchzogen führt er uns an sein Gemälde. Die abgebildeten sind ein Midlifecrisis-Historiker mit seiner jugendlichen Geliebten, eine abgeklärte Sozialarbeiterin (Juliette Binoche), die sich um ihren herzkranken Bruder kümmert, ein bunter Haufen Markthändler und -erzählerisch wie geographisch ganz am Rand- ein Kameruner auf dem Weg nach Frankreich.

Obwohl oder gerade weil der Film keinen Teil des Lebens und Sterbens ausklammert, ist er sommerlich leicht geraten. Albern übrigens die Kritik von Rainer Gansera in der Süddeutschen, die Klapisch vorwirft, er mache “die Stadt zu einem beliebig austauschbaren Dekor”. Natürlich ist Paris austauschbar; es geht dem Film gar nicht um Paris, sondern um die Sinnlichkeit des Lebens; um pulsierend-enthusiastische Aktivität ebenso wie Trauer und Depression. Passenden Hintergrund bietet naturgemäß jede Stadt und da ist es legitim, sich aus banal-ästhetischen Gründen für Paris zu entscheiden.

BILD: WIKIPEDIA, LIZENZ

Rubrik: Im Kino gewesen. Gebloggt.

Ein Kommentar bisher ↓

  • 1 almi // 20. Juli 2008 um 22:37 Uhr

    klingt spannend!

    @filmkritik: besser jedenfalls, die stadt dahinter ist austauschbar, als - und das passiert ja einigermaßen häufig - ein bestimmter ort (die toskana! südengland!) soll vom fehlenden plot ablenken. ;-)

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