Seine Artikel in der FAZ schätze ich sonst meist, den von heute eher nicht. Michael Hanfeld fährt die großkalibrigen Sprachgeschütze auf in seinem Artikel über das neues Google-Projekt, die Digitalisierung von Zeitungsarchiven.
Wo sich Argumente nicht so recht finden lassen, muss es eben die Kraft von gewichtigen Metaphern sein:
Google schreibt Geschichte – und bedient sich dabei einmal mehr der Kenntnisse anderer und schlägt daraus Kapital. Die Urheber all der Zeitungsartikel, von denen das Nachrichtenportal „Google News“ lebt, werden künftig nicht nur aktuell enteignet, alles, was sie und ihre beruflichen Vorväter jemals zu Papier gebracht haben, verschwindet unter dem Dach des „Google News Archive“.
Was für ein Unfug. Weder hat Google vor, ohne Einwilligung der Verlage vorzugehen, noch ist “verschwinden” eine besonders passende Beschreibung für das öffentliche Erschließen von bisher in staubigen Kellern der Provinzverlage vergrabenen Archivalien.
Google errichtet ein virtuelles Zeitungsmuseum, zu dem die Zeitungsleute selbst nur als Besucher Zutritt haben.
Immerhin. Besser ein Besucher im eigenen Haus, als selbstausgesperrt vor dem leeren Haus. Viele kleine Verlage haben bisher nichtmal eigene elektronische Archive älter zurückliegender Ausgaben.
Ein paar Claquere, die sich abnehmen lassen, woraus sie selbst etwas machen sollten, stehen parat. Man würde über die Digitalisierung gar nicht reden, kümmerte Google sich nicht darum, zitiert die „New York Times“ einen leitenden Redakteur der „St. Petersburg Times“. Pierre Little, der Verleger des „Quebec Chronicle-Telegraph“, ausgewiesen als „Nordamerikas älteste Zeitung“, hofft, dass Tausende Familien über Googles Zeitungsarchiv ihre eigene, persönliche Geschichte ergründen, etwa über Familien- und Todesanzeigen. Little kratzt die Brosamen auf, die ihm Google aus den Werbeeinnahmen hinwirft. „Wir hoffen, dies wird für uns finanziell ein warmer Regen sein.“
Genau - wären nicht die bösen Google-Leute könnten die armen Zeitungsverlage ja auch das große Geld mit ihren Archiven verdienen statt der paar spärlichen Brosamen. Ich geh’ dann mal zum Lachen ins Archiv.
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