Die Berliner CDU ist so etwas wie ein Freilichtmuseum in Sachen West-Berlin. Während die restliche Stadt sich immerhin bemüht, Hauptstadt des vereinten Deutschlands zu sein, konserviert der Unionslandesverband nachkriegszeitliche Insulanergefühle.
Noch vor knapp zwanzig Jahren war West-Berlin nicht der Nabel Deutschlands, sondern der schwer erreichbare Hinterhof des Landes. Die einzigen, die in den 1980iger Jahren noch freiwillig dorthinzogen, waren Agenten und Wehrdienstdrückeberger.
In diese Zeit wünscht sich mancher in der Berliner CDU offenbar zurück. In Zeiten der Not holt sie Leute nach vorn, die das West-Berlin von gestern verkörpern und die Sache dann noch schlimmer machen.
2001 war es Frank Steffel - deutschlandweit als Teppichhändlerspitzenkandidat bespöttelt, nicht weil das Führen eines Raumaustatterunternehmens etwas ehrenrühriges wäre, sondern weil er sich regelmäßig so töffelig anstellte, wie der Volksmund das den sprichwörtlichen Kleinkrämern zuschreibt.
Jetzt soll Frank Henkel, auch ein Kind Berlins der Steffel-Generation, Friedbert Pflüger als Fraktionschef im Abgeordnetenhaus beerben, nachdem man sich mit Pflüger überworfen hat. Henkel stammt wie auch Steffel aus dem Dunstkreis des einstigen Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen und teilt auch sonst so manche Position mit Steffel. Nicht sehr wahrscheinlich, dass er mehr Wahlerfolg hat als sein Vorvorgänger. Klaus Wowereit wird wohl entspannt ein Fläschchen aufmachen.
BILD: WIKIPEDIA, LIZENZ
4 Kommentare bisher ↓
1 John Dean // 12. September 2008 um 19:22 Uhr
Henkel ist nicht ganz so unbeholfen wie Steffen, aber ich weiß nicht. So wird das wohl wieder nichts mit der “Hauptsstadt-CDU”. Das ist ein Kandidat, der mit dem 31. Lebensjahr seinen Diplom-Kaufmann geschafft hat, fünf Jahre später einen Abschluss als “gepr. PR-Berater” erwirbt, aber weder währenddessen, noch danach jemals in seinem Beruf wirklich gearbeitet hat. Stattdessen findet er recht bald eine auch finanzielle Heimat in der Berliner CDU, zunächst in Reinickendorf (als Referent bei einem etat-losen und in Berlin stets wirkungslosen “Bezirksbürgermeister”, und seit 2001 im Abgeordnetenhaus von Berlin. Er wirbt auf seiner Hompage unter anderem mit “Sprachkenntnisse: Schulenglisch.” und all dies - und noch viel mehr - wirkt dann in der Summe doch eher niveaulos und grau. Sein großes Thema ist “Integration” (youtube), hier gelingen ihm auswendig gelernte, aber immerhin flüssig gesprochene Sätze und - das ist ein Fortschritt gegenüber Steffen - er steht hierbei der Diepgen-Linie näher als dem Westberliner CDU-Standard-Muff.
Ich würde sagen: Note 4-
2 John Dean // 12. September 2008 um 19:28 Uhr
Da Pflüger sich wohl kaum für höhere Aufgaben qualifiziert hat (die Berliner CDU war wohl seine letzte Chance als Politiker), wird er aller Voraussicht nach im Berliner Abgeordnetenhaus versauern. Mit zwei Kindern plus frisch verheirateter Gattin (2006) wird ihm finanziell kaum etwas anderes übrig bleiben, als die rund 3000 Euro Abgeordnetendiät und die rund 1000 Euro steuerfreie Pauschale (plus Sitzungsgelder u.ä.) dankbar empfangen zu nehmen.
Ich wüsste nicht, wofür man jemanden wie Pflüger gebrauchen kann. Seine “Flughafen-Tempelhof”-Kampagne war peinlich, und die Berliner hassen Friedberg Pflüger (sogar die CDU-Anhänger), obwohl BILD/BZ ihn unverdrossen hochzuschreiben versuchen.
Vermutlich ist Henkel sogar besser als Pflüger. Die gwohnt zynische und gegenüber eleganten Spindoktoren dankbare Hauptstadtpresse kann das zwar rein garnicht verstehen - aber die nächsten Abgeordnetenhauswahlen werden es zeigen:
Pflüger rauszukicken war goldrichtig.
3 niels // 12. September 2008 um 22:14 Uhr
Man wird sehen. Ich fand Pflüger immer etwas unbeholfen und bemüht, aber aus dem sonstigen Provinz-Muff in der Berliner CDU stach er doch angenehm heraus.
4 Schaps // 12. September 2008 um 22:59 Uhr
Die CDU ist in Berlin ja auch sowas wie die SPD in Bayern…irgendwann verzweifelt man…
Kommentieren