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Im Kino: Der Baader-Meinhof-Komplex

28. September 2008 · 2 Kommentare

Terrace Club Frankfurt Germany 1972 V

Jetzt habe ich ihn auch gesehen, den RAF-Film Bernd Eichingers. “Der Baader Meinhof Komplex” ist schonungslos, um Authentizität und historische Genauigkeit bemüht, gleichzeitig reichlich gehetzt. So lautet zusammengefasst mein Fazit. Wenn man über diesen Film berichtet, muss man nicht viel vom Inhalt erzählen. Auch Spoiler-Warnungen erübrigen sich. Worum es geht, ist allgemein bekannt.

Eichinger und Edel zeichnen nach Stefan Austs Buchvorlage die Geschichte der RAF über rund zehn Jahre nach. Nimmt man den Anspruch hinzu, akkurat und dokumentarisch detailsgetreu zu erzählen, wird klar, warum der Film Überlänge hat und der Zuschauer trotzdem temporeich durch ein Jahrzehnt deutscher Geschichte gehetzt wird. Tiefgründigere Reflektion darf man dann naturgemäß auch nicht mehr erwarten.

Falsch liegen aber auch diejenigen, die dem Film vorwerfen, die Opfer und die Akteure auf der Seite des Staates an den Rand zu drängen.

Das Gegenteil ist der Fall. Indem der Film sich nicht mit den Opfern beschäftigt, wird man den Opfern nach meiner Meinung gerade gerecht. Wer die Entwicklung von Verbrechern nachzeichnen will, muss sich mit ihren Taten auseinandersetzen. Denn es ist ein Verbrechen, Menschen zu erschießen, unabhängig davon, ob die Ermordeten Arbeitgeberpräsidenten, Angestellte des Springer-Verlages, Botschaftsangehörige oder Generalbundesanwälte sind.

Glorifiziert werden die Täter an keiner Stelle des Films. Im Gegenteil: Andreas Baader beispielsweise wird durchgängig als rücksichtsloser egozentrischer Despot entlarvt, die gewalttätige Atmosphäre innerhalb der RAF ehrlich aufgedeckt.

Ich teile auch nicht die Kritik, die Protagonisten der Staatsmacht seien durch den Film nur als tumb-gewalttätige Haudraufs gezeichnet worden. Horst Herold, von 1971 bis 1981 Präsident des Bundeskriminalamts, wird durchgehend als überlegt handelnd und mäßigend charakterisiert, wohl historisch zurecht. Ebenso belegt ist durch die zum Teil veröffentlichten Tondokumente, dass das Gericht beim Stammheimer Prozess überfordert war.

Rubrik: Im Kino gewesen. Gebloggt.

2 Kommentare bisher ↓

  • 1 SG // 29. September 2008 um 7:14 Uhr

    Tja, der Film wird mir hier wohl vorerst entgehen…

  • 2 Schaps // 29. September 2008 um 13:47 Uhr

    Hoffentlich schaff ichs da rein…würd ihn gern sehen

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