Noch ein Nachtrag zur Affäre um die Vertragsverlängerung für ZDF-Chefredakteur Brender: Wenn die öffentlich-rechtlichen Sender (z. B. das NDR-Magazin “Zapp”) in der jetzigen Debatte die Vorgänge im ZDF-Verwaltungsrat zum Anlass nehmen, sich grundsätzlich daran zu reiben, dass Politiker in den Gremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eine dominierende oder wenigstens prägende Rolle spielen, machen sie es sich zu einfach. Politik- und Parteieneinfluss in den Sendern ist an der Tagesordnung und er lässt sich im bestehenden System auch kaum vermeiden.
Denn wer soll an Stelle von Ministerpräsidenten, Parteisoldaten und Landtagsabgeordneten in den Rundfunkräten und sonstigen Anstaltsgremien Platz finden? Es ist eine naive Selbsttäuschung, wenn man glaubt, man könne gleichzeitig eine effiziente und demokratisch legitimierte Kontrolle über die öffentlch-rechtlichen Sender bewerkstelligen und Politiker aus den Gremien fernhalten. Wer es Ernst meint mit dem Anliegen, parteigeprägtes Pöstchenverschieben in den Sendern zu beenden, sägt in Wahrheit am öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt.

6 Kommentare bisher ↓
1 SG (Politik erklärt) // 7. März 2009 um 16:27 Uhr
Das ist genau der Punkt, über den ich auch in den letzten Tagen nachgedacht habe. Natürlich ist parteipolitische Postenbesetzung nicht das Optimum, aber es lässt sich wohl auch kaum verhindern, wenn man nicht die Gesamtstruktur des Systems ändern möchte.
2 SG (Politik erklärt) // 7. März 2009 um 16:30 Uhr
Schickes Foto! Sieht ja nach NDR Kiel aus :-)
3 niels // 7. März 2009 um 16:35 Uhr
Is offenbar auch am Kieler Funkhaus.
Und nicht falsch verstehen: Das Vorgehen von Koch ist fadenscheinig und kritikwürdig, aber daraus eben den Schluss zu ziehen, Politiker müssten vollkommen ferngehalten werden aus den Sendergremien - das erscheint mir nicht umsetzbar.
4 ElGraf // 7. März 2009 um 19:43 Uhr
Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk soll es dem Grundsystem nach nicht um demokratisch legitimierte Kontrolle gehen (deswegen ja auch kein “Staatsrundfunk”!), sondern um die Repräsentation gesellschaftlicher Gruppen.
5 niels // 7. März 2009 um 21:18 Uhr
Soviel zur Theorie. Spätestens die Beantwortung der Frage, welche Gruppe gesellschaftlich relevant ist und welche nicht, ist im Kern wieder politisch.
6 Politik erklärt » Öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Parteien - Roland Koch und das ZDF // 11. März 2009 um 9:24 Uhr
[...] sein als die Politik? Deswegen gefährdet diese Kritik den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in seiner Substanz: Denn wer soll an Stelle von Ministerpräsidenten, Parteisoldaten und Landtagsabgeordneten in den [...]
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