Einen Tag nach dem Amoklauf in Winnenden scheint ein großes Verlangen nach möglichst einfachen Erklärungen zu bestehen. Es war absehbar, dass Computerspiele schnell in den Fokus der Medien geraten würden, aber wirklich haarsträubend finde ich den Artikel von Sabine Rennefanz im Guardian. Schuld ist das Bildungssystem, meint Rennefanz, genauer: das deutsche Schulwesen. Und zwar weil es traditionalistisch und hierarchiegeprägt sei:
The rigid, old-fashioned German education system is a sad factor in the growing number of attacks on schools.
Es ist an Zynismus kaum zu überbieten, gerade mal 24 Stunden nach so einem Drama in reichlich oberflächlichen neun Absätzen vorgeblich Erklärungen anzubieten, in Wahrheit aber nur die Situation für plumpe Stimmungsmache auszunutzen. Immerhin tröstlich, dass die Guardian-Leser Frau Rennefanz ihre Argumente in den Kommentaren um die Ohren hauen.
4 Kommentare bisher ↓
1 SG // 12. März 2009 um 17:19 Uhr
Zu beachten ist auch, dass Rennefanz Deutsche, nicht Engländerin ist. Sie versucht hier, den Massenmord für ihren Standpunkt in der deutschen schulpolitischen Debatte, die ja nun schon seit Generationen tobt, auszunutzen.
2 niels // 12. März 2009 um 17:22 Uhr
Ist mir auch aufgefallen. Der Name legt das nahe, eine kurze Google-Recherche scheint es zu bestätigen.
3 almi // 12. März 2009 um 18:40 Uhr
bei solchen und ähnlichen ereignissen kann man immer drauf warten, dass die banalsten und eindimensionalsten erklärungsversuche gefunden werden. das geht 2-3 wochen so und dann hört man nichts mehr von der sache.
…bis zum nächsten mal.
4 Schaps // 13. März 2009 um 14:20 Uhr
Es ist glaub ich weniger eine Sehnsucht als eine Geilheit. Denn nicht die Betroffenen lassen sich diese Ideen einfallen, sondern immer die Medien und die Poliker…
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