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Angelika Beer verlässt die Grünen

28. März 2009 · 9 Kommentare

Wir machen Europa klar!
Creative Commons License photo credit: GRÜNE Baden-Württemberg

Die Europa-Abgeordnete Angelika Beer kehrt den Grünen enttäuscht den Rücken. Auf dem Landesparteitag in Bad Oldesloe kündigte sie nach 30 Jahren ihren Parteiaustritt an. (kn-online.de)

Henning Schürig ist angesichts von Beers Rücktritt erleichtert, dass die Partei sie im Januar nicht erneut für die Europawahlen nominiert hatte. Liegt man ganz falsch, wenn man konstatiert, dass die Grünen immer noch ein Problem mit prominenten und über die Parteimitgliederschaft hinaus erfolgreichen Politikern haben?

Werfen wir mal einen leicht kritisch-böswilligen Blick auf die Parteispitze: Cem Özdemir, sympathisch, aber eher unprofiliert. Claudia Roth, notorische Nervensäge. Geschäftsführerin Steffi Lemke, mag eine gute Parteimanagerin sein, in der Öffentlichkeit wird sie kaum wahrgenommen.

Dann die Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl: Hier wollen die Grünen mit Jürgen Trittin und Renate Künast punkten. Der eine war schon zu rot-grünen Zeiten weder in der eigenen Partei noch in der Bevölkerung besonders populär. Renate Künast hat wohl keine schlechte Arbeit gemacht, aber als Spitzenkandidatin?

Ob die SPD demnächst Hans Eichel ins Schattenkabinett holt? Oder die Union Norbert Blüm?

Rubrik: Zeitgeschehen

9 Kommentare bisher ↓

  • 1 Henning // 28. März 2009 um 15:02 Uhr

    > Ob die SPD demnächst Hans Eichel ins Schattenkabinett holt?
    > Oder die Union Norbert Blüm?

    Die CDU tritt mit Merkel an, die schon 1991 Bundesministerin unter Kohl war. Dagegen ist Renate Künast geradezu eine NewComerin (seit 2000 Bundespolitikerin).
    Trittin ist zugegebenermaßen schon seit 1994 Bundespolitiker, aber die These er sei ja damals schon so unbeliebt gewesen, teile ich nur zum Teil. Ja, er war damals unbeliebt. Teilweise auch bei mir (bin 2002 eingetreten), hat sich aber meines Erachtes stark gewandelt und ich halte ihn für einen sehr guten Politiker. Er hat mich 2005 in Stuttgart echt begeistert.
    Und die SPD tritt mit Steinmeier an, der schon seit 1998 Kanzleramtschef unter Schröder war. Der ist doch wohl deutlich weniger frisch als Künast.

    Aber zu deinem Hauptthema, die Grünen hätten ein Problem mit erfolgreichen Politikern. Bei manchen habe ich auch immer wieder den Eindruck. Aber ich glaube nicht, dass Angelika Beer solche Gründe dafür anführen kann, dass sie nicht gewählt wurde.
    Ich war bei dem Parteitag zwar nicht da und kann daher nur bedingt was zur Stimmungslage dort beitragen, aber ich habe die letzten Jahre nicht viel von ihrer Arbeit mitbekommen und es gab starke Konkurrenz.

    Wer aber nach einer persönlichen Niederlage um ein Mandat aus der Partei austritt, obwohl’s inhaltlich noch stimmt (sagt sie ja selbst) und dazu dann noch dafür die große öffentliche Bühne sucht, dem braucht man glaube ich nicht hinterherzuweinen. Ich war übrigens schon als sie Parteivorsitzende war mit ihr alles andere als zufrieden.

  • 2 Niels // 28. März 2009 um 15:12 Uhr

    “Die CDU tritt mit Merkel an, die schon 1991 Bundesministerin unter Kohl war. Dagegen ist Renate Künast geradezu eine NewComerin (seit 2000 Bundespolitikerin).”

    Nunja, ich mach ja auch hier kein Geheimnis daraus, dass ich Frau Merkel nicht mag.

    “Und die SPD tritt mit Steinmeier an, der schon seit 1998 Kanzleramtschef unter Schröder war. “

    Zustimmung. Auch kein Glücksgriff.

    Und ich gebe dir recht: Parteivorsitz war nicht die Stärke von Beer, aber sie war die erste bei den Grünen, die für eine Sicherheits- und Verteidigungspolitik eingetreten ist, die man auch außerhalb der Partei ernstnehmen konnte. Das ist ein erheblicher Verdienst und sollte schon zu einem Stück Wertschätzung führen.

  • 3 Henning // 28. März 2009 um 15:34 Uhr

    Ich sage ja nicht, dass ich sie kein Stück wertschätze. Hab ja auch nicht gesagt, dass ich früh bin, dass sie austritt. Ich bin nur froh, dass wir sie nicht aufgestellt haben, wenn man jetzt weiß wie sie darauf reagiert.

    Übrigens: Westerwelle ist seit 1988 Mitglied des FDP-Bundesvorstands und wurde 1994 FDP-Generalsekretär, danach Parteivorsitzender.

    Im Vergleich wer die frischesten Gesichter bei den Spitzenkandidaten hat, schneiden wir also überaus gut ab.

  • 4 niels // 28. März 2009 um 15:43 Uhr

    Es geht mir ja nicht nur um Frische.

    Das Aussuchen des Spitzenpersonals ist ein Spagat zwischen innerparteilichem Kuschelfaktor und Außenwirkung. Und da verschiebt sich bei den Grünen der Schwerpunkt schon etwas länger Richtung Innen.

  • 5 Niels // 28. März 2009 um 17:04 Uhr

    Hast übrigens recht, was die Begründung ihres Rücktritts angeht. Die Redeausschnitte, mit denen sie bei Spon und Co. jetzt zitiert wird, wirken reichlich vorgeschoben.

  • 6 Henning // 28. März 2009 um 17:23 Uhr

    Stichwort Partei-Kuschelfaktor vs. Außenwirkung - welche Entscheidungen kritisierst du da konkret und wen hätte man stattdessen nehmen sollen?

    Letztlich sind beide Aufgaben wichtig - die Arbeit nach innen und außen.

  • 7 Niels // 28. März 2009 um 17:41 Uhr

    Genau, beides muss gegeneinander abgewogen werden. Deshalb habe ich ja das Bild vom Spagat bemüht.

    Aber konkret: Nabelschau betreiben die Grünen nach meinem Dafürhalten einerseits personell. Claudia Roth kann im Grunde nur innerhalb des grünen Kernmilieus Themen setzen. Für Jürgen Trittin gilt das analog.

    Inhaltlich ist insbesondere die Energiepolitik fundamentalistisch verkrustet und traumtänzerisch.

  • 8 Henning // 28. März 2009 um 22:24 Uhr

    Naja, grünes Kernmilieu ist auch Außenwirkung, solange die Leute nicht Mitglieder sind. Und Jürgen Trittin hat sicher weitaus mehr Anhänger als Claudia Roth.

    Aber dafür, dass du meintest eine stärker werndende Tendenz in Richtung Partei-Kuschelfaktor zu sehen, finde ich das jetzt extrem wenig.

  • 9 Niels // 29. März 2009 um 13:36 Uhr

    Nur Stammwähler erreichen, ist aber nicht genug, um dauerhaft Ergebnisse einzufahren, wie Ihr sie jetzt in Umfragen habt.

    Ganz generell ist im Moment bei den Grünen zu viel Roth und zu wenig Joschka. Und das meine ich metaphorisch, nicht wortwörtlich. Es fehlen inzwischen Persönlichkeiten und Programmbestandteile, die über den Tellerrand schauen.

    Exemplarisch für die Realitätsferne in mancherlei Hinsicht war das GEzerre um die Energiepolitik auf dem Erfurter Parteitag im November ‘08, als Özdemir im Vorfeld einen Anflug vorsichtigen Realismusses gezeigt hatte und ihm die Parteitagsbasis dann so deutlich die Folterwerkzeuge zeigte, dass er sich zu einem kleinlauten Gang nach Canossa genötigt sah.

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