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4. Juli 2009 · 12 Kommentare

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Creative Commons License photo credit: nerd.reynolds

Leicht schräg mutet an, was die Piratenpartei auf ihrem heutigen Parteitag in einer Friedrichshainer Karaokebar so treibt. Und ausgesprochen dünn ist bisher das Programm. Wer daraus aber schließt, die Partei habe keine Chance, in Deutschland zu bestehen, der sollte sich an die Bilder von den ersten Parteitagen der GRÜNEN erinnern. Auch inhaltlich waren die GRÜNEN nicht viel breiter aufgestellt als die Piraten heute. Waldsterben und Anti-Atom-Bewegung mit einem Schuss Antifa und Pazifismus mussten reichen für den Anfang.

Auffallend ähnlich auch das anfängliche Selbstverständnis beider Gruppen. Petra Kelly prägte den Begriff von der “Anti-Parteien-Partei”. Politiker zu werden sei nicht sein primäres Ziel, betont Florian Bischof bei den Piraten.

Rubrik: Netzkultur · Zeitgeschehen

12 Kommentare bisher ↓

  • 1 Henning // 5. Juli 2009 um 14:35 Uhr

    Es stimmt einfach nicht, dass die Grünen bei der Gründung thematisch ähnlich dünn aufgestellt waren wie jetzt die Piraten.

    Okay, wir hatten nicht zu allen Themen detaillierte Standpunkte, aber die Grünen sind aus vielen Bewegungen heraus entstanden, auch wenn Umwelt sicher ein Gedanke war, der alle geeint hat, aber da waren neben der Umweltbewegung noch die Frauenbewegung, die Bürgerrechtsbewegung, die Friedensbewegung, die Schwulenbewegung und andere mit Schwerpunkten bei den Themen Menschenrechte oder Bildung, dazu Leute aus den kommunistischen K-Gruppen, Ausläufer der Studentenbewegung und viele Leute, die vor Ort in Bürgerinitiativen aktiv waren.

    Das war ein viel breiteres Spektrum als es jetzt die Piratenpartei hat.

  • 2 Niels // 6. Juli 2009 um 21:25 Uhr

    Mmh, mag sein, dass die Grünen etwas breiter aufgestellt waren, aber klar dominiert haben Umweltthemen.

    Bei den Piraten freilich siehts zur Zeit ja bekanntlich nicht nur programmatisch dünn, sondern auch personell fragwürdig aus, wenn man die neuesten Diskussionen berücksichtigt.

  • 3 Henning // 7. Juli 2009 um 2:14 Uhr

    Ja, aber das ist nochmal ein anderes Thema. Mir ging’s hier jetzt darum, dass du nicht auch noch dieses Märchen weiterverbreitest, die Grünen wären zur Gründung auch eine Ein-Themen-Partei gewesen.

    Und es ist ein sehr wesentlicher Unterschied, ob ein Thema dominiert oder ob es nur eines gibt.

  • 4 Schaps // 7. Juli 2009 um 13:41 Uhr

    Ich weiß nicht ob die Piraten es ins Parlament schaffen…wäre aber mal eine Abwechslung. Und bitte so, dass die Linke Stimmen verliert ^^

  • 5 Niels // 7. Juli 2009 um 14:40 Uhr

    Henning, mag sein, dass die Grünen thematisch am Anfang nicht ganz so dünn dastanden wie jetzt die Piraten, aber Parallelen gibt es nach meinem Dafürhalten durchaus.

  • 6 Henning // 7. Juli 2009 um 18:10 Uhr

    Ich sag ja nicht, dass es gar keine Parallelen gibt - aber eben nicht diese.

  • 7 JMK // 7. Juli 2009 um 23:42 Uhr

    ich seh da gar keine Parallelen. Die Grünen kamen ja nicht aus dem Nichts, der Großteil war ja in Umwelt- und Friedensbewgungen und verbänden organisiert. Diese Themen bündelten sich dann in der Gründung der Partei.
    Die PP produziert derzeit nur heisse Luft und mit den schon angesprochenen Personalien tut man sich einfach keinen Gefallen, auch wenn das Verfahren gegen Tauss ja noch in den Ermittlungen steckt. Sollten sich die Verdachtsmomente erhärten, bin ich mal gespannt wie die Partei mit ihm umgeht.

  • 8 Niels // 8. Juli 2009 um 9:36 Uhr

    Richtig. Wobei ich nicht nur Tauss, sondern auch Thiesen meinte.

    Und was den thematischen Grund für die Gründung angeht: die Anhänger der Piraten treiben Themen um, die bei den klassischen Parteien nicht oder nur marginal vorkommen.

  • 9 Henning // 12. Juli 2009 um 22:26 Uhr

    die Anhänger der Piraten treiben Themen um, die bei den klassischen Parteien nicht oder nur marginal vorkommen.

    Auch das stimmt so nicht ganz, wenn du dir z.B. mal Digital ist besser (Kapitel aus dem grünen Bundestagswahlprogramm, PDF) durchliest.

  • 10 John Dean // 13. Juli 2009 um 1:03 Uhr

    So ähnlich finde ich die Piraten nicht - mit der Gründungsphase der alternativen/grünen Parteien.

    Jene konnten sich auf ein sehr buntes - aber auch recht breites Fundament stützen, ja sogar auf eine soziale Bewegung. Emanzipatorische Kreise (war Anfang der 80er eine Riesensache - man beachte da so Dinge wie den Tunix-Kongress), eine - im Vergleich - noch recht starke linke Bewegung (teils mit Restausläufern von RAF-Sympathisantentum, welches aber zu diesem Zeitpunkt nur sehr wenig Interesse am Weg der Gewalt hatte), Reste der 68er Bewegung, die es Anfang der 80er halt noch gab, enttäuschte Sozialdemokraten auf der Suche nach einer Alternative, eine tatsächlich erstarkende Öko-Bewegung, enttäuschte Linksliberale, welche nach 1982 keineswegs jemals wieder was mit der FDP zu tun haben wollten, ein - damals recht starker - Jugendverband, dem die Partei abhanden gekommen war, auch war die Friedensbewegung damals alles andere als klein und inaktiv,

    usw. usf.

    Das war schon was - es war zwar unklar, ob man sich in einer Partei zusammenraufen konnte. Aber es war eine soziale Basis vorhanden.

    Internet (und dann noch einseitig verengt auf Legalisierung von Downloads) ist im Vergleich eine kleine Sache. Behaupte ich mal.

    Außerdem ist die Gesellschaft viel zu entpolitisiert. Da gibt es, trotz großer Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien (größer als damals, schätze ich!) kaum Möglichkeiten, eine neue Partei zu etablieren.

    Irgendwie sind die Piraten ein bisschen wie eine verlorene Parteijugend der SPD.

    (in meinen Augen - ich schätze, dass Piraten und deren Sympathisanten diese Sichtweise überhaupt nicht gut finden)

  • 11 John Dean // 13. Juli 2009 um 1:08 Uhr

    Trotzdem hat der Gedankengang von Niels seinen Charme: Wenn es heute überhaupt eine politische Bewegung (besonders: seitens junger Leute) gibt, dann wird diese am ehesten von den Piraten repräsentiert.

    Deren Bürgerrechtsorientierung finde ich nicht mal unsympathisch. Wenn man sieht, was die FDP Hessen veranstaltet, würde ich im Vergleich sogar so weit gehen:

    Liberale sind bei den Piraten eigentlich besser aufgehoben…

  • 12 refu // 21. Juli 2009 um 14:20 Uhr

    Ich habe bei den Piraten irgendwie zunehmend Bauchschmerzen. Abgesehen vom Thema Bürgerrrechte ist das alles einfach viel zu diffus und würde ich mein Kreuz bei denen machen, könnte ich nicht richtig beantworten, was ich da eigentlich gewählt habe. Daher bleibe ich weiterhin meiner politischen Heimat treu, obwohl ich gerade ausgerechnet in den Wahlkreis von Claudia Roth gezogen bin.

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